Humor und Fußball: Regisseur Sönke Wortmann
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Humor und Fußball: Regisseur Sönke Wortmann

In Sachen Humor und Fußball führt an Regisseur Sönke Wortmann kein Weg vorbei. Dabei kann er auch anders.

Ausgabe: Juli 2017 Autor: Dieter Osswald

Er beherrscht die Königs-Disziplin Komödie wie kaum ein anderer deutscher Filmemacher, das bewies Sönke Wortmann mit Kino-Hits wie Der bewegte Mann oder Frau Müller muss weg! Seine Leidenschaft für den Fußball setzte er ebenso gekonnt für die Leinwand um. Das Wunder von Bern bekam den Bayerischen Filmpreis, Deutschland. Ein Sommermärchen ist einer der meistgesehenen Dokumentarfilme. Unlängst stellte der 57-Jährige mit dem Mehrteiler Charité unter Beweis, dass er auch höchst erfolgreiche TV-Serien drehen kann. Seine jüngste Regiearbeit ist wieder eine Komödie. Sommerfest (Kinostart: 29. Juni, siehe Filmplakat oben mit Anna Bederke, links und Lucas Gregorowicz, rechts), die Geschichte eines Heimatbesuchs nach dem Buch von Frank Goosen, präsentiert sich als Hommage ans Ruhrgebiet.

Reader’s Digest: Herr Wortmann, Ihr Film ist „allen Jugendlieben“ gewidmet, wie autobiografisch ist das?
Wortmann: Das ist absolut autobiografisch, jeder hat in seinem Leben doch mindestens eine große Jugendliebe gehabt.

Welche Rolle spielt Heimat für Sie?
Heimat war schon immer ein Thema, mit dem ich mich in meinen Filmen beschäftigt habe. Dieser Ruhrpott-Roman war ein guter Anlass, mich ganz intensiv damit zu befassen. Heimat liegt im Trend.

Hat das mit den als unsicher empfundenen Zeiten zu tun?
Als Gefühl hat das ganz sicher etwas damit zu tun. Je unübersichtlicher die Zeiten empfunden werden, desto größer ist die Wertschätzung für Heimat. Nicht umsonst gilt die Provinz mittlerweile wieder als sehr lebenswert.

Was ist das Besondere am Ruhrgebiet?
Das lässt sich nicht in einem einzigen Satz beschreiben. Charakteristisch ist auf jeden Fall, dass die Menschen sehr herzlich sind, was man jedoch nicht unbedingt auf den ersten Blick erkennt. Beleidigungen sind dort eher nett gemeint. Man würde nie jemanden beleidigen, den man nicht gut findet oder der einen nicht interessiert.

Wie so oft ist das Thema Fußball dabei. Wo liegen die Ähnlichkeiten zwischen Film und Fußball?
Beides ist Mannschafts-Sport. Allein kann man kein Spiel gewinnen und keinen Film drehen. Die Hierarchien und die psychologischen Abläufe sind dieselben: Der Regisseur ist wie der Trainer. Auch er kann nicht jeden seiner Spieler gleich behandeln, sondern muss dessen Eigenarten berücksichtigen.

Mit der TV-Serie „Charité“ gelang Ihnen ein Coup. Geht es für Sie weiter in Richtung Serie?
Charité war im Serienbereich zum Glück der größte Erfolg in den letzten 25 Jahren, das gibt einem natürlich schon Rückenwind. Mir war wichtig zu beweisen, dass so ein Erfolg eben auch gelingen kann, wenn man nicht immer nur auf dieselben bekannten Darsteller setzt, was sonst häufig gemacht wird. Ich finde es viel spannender, unverbrauchte Schauspieler zu erleben, die man nicht schon tausendmal gesehen hat. Zum Glück konnte ich bei Sommerfest meine Produzenten von diesem Konzept überzeugen.

Was sollen die Zuschauer mitnehmen aus dem „Sommerfest“?
Wenn die Zuschauer das Gefühl haben, dass sie gut unterhalten werden und glücklich aus dem Kino kommen, dann bin ich absolut zufrieden. Und vielleicht fällt ihnen ja ihre erste große Liebe wieder ein!

 

Zu Person: Sönke Wortmann

kommt am 25. August 1959 in Marl als Sohn eines Bergmanns zur Welt. Ursprünglich wollte er seine Leidenschaft für den Fußball zum Beruf machen. Statt für die Kicker-Karriere entschied er sich letztlich doch fürs Kino. Bereits sein Debüt Allein unter Frauen sahen 1991 eine Million Zuschauer. Mit Der bewegte Mann gelang ihm drei Jahre später, einen der erfolgreichsten deutschen Filme überhaupt zu drehen. Der TV-Mehrteiler Charité entwickelte sich zum Quoten-Coup. Sönke Wortmann ist mit der Schauspielerin Cecilia Kunz verheiratet. Das Paar lebt mit seinen drei Kindern in Düsseldorf. DO

Trailer zum Film "Sommerst" (Kinostart: 29. Juni 2017)

 

 


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RD Abbinder
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