Richard Gere: Frauenheld und Familienmensch
© fotomek / Fotolia.com
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Richard Gere: Frauenheld und Familienmensch

Die Rolle des Herzensbrechers war Hollywoodstar Richard Gere nie genug.

Ausgabe: Juni 2017 Autor: Dieter Oßwald

Ob als Gigolo in Ein Mann für gewisse Stunden oder als ver­liebter Millionär in Pretty WomanRichard Gere gab oft den Frauenhelden. Daneben hat der heute 67-Jährige aber immer auch ernsthafte Rollen gespielt, etwa einen Manisch- Depressiven in Mr. Jones. Nun kommt Gere als Karriere-Politiker mit Familien-Problemen in The Dinner auf die Leinwand. Premiere hatte der Film im Februar auf der Berlinale, wo sich der Schauspieler und engagierte Buddhist auch zum Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel traf.

Reader’s Digest: In „The Dinner“ spielen Sie einen einflussreichen Politiker. Im realen Leben sind Sie seit Langem ein politischer Aktivist. Welche Rolle ist befriedigender für Sie?
Richard Gere: Für mich ist beides gleichermaßen befriedigend, wenngleich aus unterschiedlichen Gründen. Ich führe zwei Kalender, den einen für die Schauspielerei, den anderen für meine politischen Aktivitäten. Wobei ich gerade heute Morgen einen Termin völlig vergessen habe. Jemand klopfte an meine Hoteltür und musste mich daran erinnern, dass ich an diesem Morgen ein Treffen zum Thema Tibet hatte.

Reden Sie mit dem Dalai Lama über aktuelle Politik? Oder geht es da nur um spirituelle Dinge?
Wir reden über fast alles. Der Dalai Lama möchte erfahren, was in der Welt vor sich geht. Dazu spricht er mit Menschen, die ganz unterschiedliche Ansichten haben. Seine Neugierde ist unendlich. Ebenso wie seine Fähigkeit, eine positive Vision für diesen Planeten zu schaffen.

Sie haben vor Jahren Ihre eigene Stiftung gegründet, was ist Ihr Anliegen?
Ich war ein wenig frustriert von den anderen öffentlichen Stiftungen. Mit meiner Stiftung konnten wir den Menschen viel direkter helfen. Den Schwerpunkt bildet Tibet, zudem geht es ganz generell um Menschen- und Bürgerrechte.

„The Dinner“ handelt davon, wie Eltern mit den kriminellen Taten ihrer Kinder umgehen. Wie ist Ihr eigenes Verhältnis zur Familie?
Die Familie ist sehr wichtig für mich. Ich habe drei Schwestern und einen Bruder. Meine Mutter verstarb im letzten Jahr, mein Vater wurde vor Kurzem 94. Wir alle haben ein sehr enges Verhältnis. Wir sind ständig im Gespräch. Jeder unterstützt jeden. Bisweilen erkenne ich, wie außergewöhnlich das ist. Es gibt so viele Familien, die überhaupt nicht miteinander reden und in denen keiner dem anderen hilft. Ich kenne Horrorgeschichten über Geschwister, die seit Jahren kein einziges Wort miteinander gesprochen haben. Über Eltern, die enteignet wurden. Oder Kinder, die man enterbt hat. Insofern betrachte ich mich als außergewöhnlich glücklich, dieses enge, emotionale System der Unterstützung zu haben.

Wie bekommen Sie das Familienleben mit dem Beruf unter einen Hut?
Vor Jahren habe ich die Entscheidung getroffen, nie länger als eine Stunde Reisezeit von meinem Sohn entfernt zu sein. Deswegen habe ich in den letzten sechs Jahren nur in Filmen mitgespielt, die in New York oder Philadelphia gedreht wurden. Die einzige Ausnahme war Best Exotic Marigold Hotel 2, der in Indien entstand. Aber da habe ich meine Drehzeit auf zwei Wochen begrenzt.

Ihr zweiter Vorname lautet Tiffany - wie kam es dazu?
Das war der Mädchenname meiner Mutter, die Doris Tiffany hieß – es hat also nichts mit dem Schmuckgeschäft oder dem Frühstück bei Tiffany zu tun!

 

Zur Person Richard Gere

Richard Gere kam am 31. August 1949 in Philadelphia, USA, zur Welt. Die Schauspielerei entdeckte Gere früh. Zum Hollywoodstar wurde er in den 1980er-Jahren mit Ein Mann für gewisse Stunden und Ein Offizier und Gentleman. Geres Ehe mit Top-Model Cindy Crawford scheiterte nach vier Jahren 1995. Aus der darauffolgenden Beziehung zu Schauspielerin Carey Lowell stammt ein gemeinsamer Sohn. Gere ist Buddhist und gilt als Freund des Dalai Lama. Seit 1999 unterstützt die von ihm gegründete Stiftung humanitäre Projekte.  RD

 


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Pop-Ikone Debbie Harry über das Leben in New York und Grenz-Mauern, die keine Lösung sind.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Dagmar Manzel erzählt im Exklusiv-Interview mit Reader's Digest über ihre vielen Leidenschaften.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Im Exklusiv-Interview mit Reader's Digest spricht Schauspieler und Tatort-Kommissar Klaus J. Behrendt über sein Engagement in Hilfsinitiativen für Kinder in Not.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Im Exklusiv-Interview mit Reader's Digest spricht Sigourney Weaver über starke Frauen, Mut und Außerirdische.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

In bislang in mehr als 80 TV- und Kino-Produktionen spielt Jürgen Vogel meist Bösewichte. Seine Kinder erzieht er nach dem Leitsatz: Was du nicht möchtest, was ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Regisseur Steven Spielberg wird bald 70 – und ist im Herzen doch Kind geblieben.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH - Vordernbergstraße 6, 70191 Stuttgart