Rosa Schmidt und die vergnüglichen Tücken des Rentner-Alltags
© Jan Kopetzky
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Stars im Interview

Rosa Schmidt und die vergnüglichen Tücken des Rentner-Alltags

Interview mit Anne Hansen, Autorin des Bestseller-Erfolgs „Mein Mann, der Rentner“

Autor: Reader's Digest

Bereits Tausende von Lesern haben angesichts der Enthüllungen, die Rosa Schmidt in ihrem „geheimen Tagebuch“ macht, vergnügt geschmunzelt: In „Mein Mann, der Rentner“ erzählt die Ehefrau des frisch gebackenen Neu-Rentners Günther höchst unterhaltsam, wie sie für ihren „Mann im (Un-)Ruhestand“ Arbeitsmaßnahmen ersinnt, mit plötzlich aufkommender Eifersucht zurechtkommt und sich den großen und kleinen Katastrophen ihres schlagartig vollkommen veränderten Alltags stellt.
Im März erscheint der Bestseller „Mein Mann, der Rentner“ nun in den Reader’s Digest Auswahlbüchern. Anne Hansen, die Autorin hinter dem Pseudonym Rosa Schmidt, sprach mit Reader’s Digest über „echte Menschen, Situationen und Gefühle“, wilde Stimmungskurven beim Entwickeln von Romanhandlungen und weshalb sie einem Café ihren Schreibtisch verdankt.

Reader’s Digest: Frau Hansen, als Schriftstellerin haben Sie sicher ein besonderes Verhältnis zu Büchern. Lesen Sie gern?
Und ob! Ich lese permanent! So bin ich auch aufgewachsen. Wenn meine Mutter bei uns zuhause panisch erklärte: „Ich habe gar kein Buch!“, dann hatte das die Bedeutung von „Die Milch ist aus“. Irgendein Buch MUSS man lesen, das ist bis heute Familiengesetz. Von Fantasy (ich liebe Harry Potter!) über Krimis hin zu romantischen Komödien lese ich alles, was nicht bei drei wieder im Regal ist.

Wann haben Sie denn die Seiten gewechselt und selbst begonnen zu schreiben?
Ich schreibe eigentlich, seit ich denken kann. Ich konnte irgendwie schon vor der Schule lesen und „schreiben“ – natürlich mit lustigen Rechtschreibfehlern –, und meine erste Geschichte habe ich mit fünf „veröffentlicht“. Sie handelte von einem Hasen, der einen zweiten Hasen findet – die Handlung war offen gestanden ziemlich überschaubar (lacht).
Nach dem Abitur habe ich eine vierjährige Ausbildung an der Journalistenschule in Köln absolviert. Seit meinem Abschluss 2006 arbeite ich als freie Journalistin, unter anderem für den „stern“, die ZEIT, die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“, „Brigitte Woman“…

… und außerdem als Schriftstellerin. Wie kam es dazu?
An der Journalistenschule war mir sofort klar, dass Schreiben genau mein Ding ist. Und: dass ich unbedingt mal etwas Längeres verfassen wollte als einen 3000-Zeichen-Bericht. Ein Buch zu schreiben und es in den Händen zu halten war schon immer mein Traum.

Passt das zusammen – Journalistin und Romanautorin?
Auf jeden Fall! Als Journalistin bin ich an echten Menschen, echten Situationen, echten Gefühlen interessiert – und als Schriftstellerin geht es mir genauso. Ich möchte möglichst authentische Geschichten erzählen, sodass sich viele Leser in meinen Protagonisten wiedererkennen. Für mich ist es immer das schönste Feedback, wenn Leser zu mir sagen: „Ich hatte das Gefühl, du schreibst über mich!“

Wie würden Sie Ihre Romane beschreiben?
Ganz wichtig: Alle meine Bücher sollen unterhaltsam sein. Die Welt ist oft so ernst und kompliziert, dass man abends im Bett mit einem Buch über der Nase ruhig mal kichern darf! Und: um ganz nah dran zu sein, recherchiere ich für alle meine Bücher, da kommt die Journalistin in mir durch. Meine ersten beiden Bücher handeln von „Fräulein Jensen“, einer Endzwanzigerin, die charmant und chaotisch den Mann fürs Leben sucht. Da mir auch hier die Authentizität wahnsinnig wichtig war, habe ich die Männer, um die es in dem Buch geht, wirklich getroffen und mit ihnen über das Thema Liebe gesprochen, so zum Beispiel den Comedian Bernhard Hoecker, den Koch Steffen Henssler oder auch Stabhochspringer Tim Lobinger. Die Gespräche habe ich dann in das Buch integriert. Es ist also eine Mischung aus Fiktion und Realität – für mich ganz besonders reizvoll!

Mit „Mein Mann, der Rentner“ haben Sie sich danach einem ganz anderen Thema zugewandt …
An dieser Stelle muss ich meiner Mutter danken, denn sie ist – ich lüfte jetzt mal das Geheimnis – das Vorbild für Rosa Schmidt. Mein Vater ist vor ein paar Jahren in Rente gegangen, und meine Mutter hat immer so lustig von der neuen Situation berichtet, dass es mir irgendwann wie Schuppen von den Augen fiel: Das muss erzählt werden! Meine Mutter schreibt inzwischen fleißig zu Hause mit, was so Lustiges und Skurriles passiert. Wie eine Stasi-Akte schiebt sie mir dann regelmäßig ihre Aufzeichnungen zu! (lacht) Als Form bot sich das Tagebuch an. Das ist übrigens auch der Grund, warum „Rosa Schmidt“ auf dem Buchcover steht: da sie die „Autorin“ des Tagebuchs ist, erschien mir das schlichtweg sinnvoll.

Es klingt, als ginge Ihnen da der Stoff so rasch nicht aus – wird es für Ihre Leser ein Wiedersehen mit Rosa und Günther geben?
Ja, sogar gleich zweimal: im Oktober erscheint im Penguin Verlag „Mein Mann, der Rentner, und dieses Internet“, eine weitere Fortsetzung folgt im nächsten Jahr.

Als Autorin brauchen Sie jede Menge guter Ideen. Wo finden Sie die?
Ich versuche mit offenen Augen und Ohren durchs Leben zu gehen – und eigentlich schwirren Ideen überall in der Luft. Man muss sie nur einfangen!

Wie geht es weiter, wenn Sie eine Idee „eingefangen“ haben?
Es gibt sicher viele Schriftsteller, die einfach drauflosschreiben und sich durch ein Buch treiben lassen. Auch wenn ich im echten Leben manchmal etwas chaotisch bin, bei meiner Plot-Arbeit – der Entwicklung der Handlung – bin ich furchtbar durchstrukturiert und organisiert (lacht). Bevor ich den ersten Satz schreibe, plane ich die komplette Handlung durch: Was passiert wann? Welchem Protagonisten geht es wann wie? Dafür fertige ich wilde Stimmungskurven an, die kreuz und quer ganze Din-A-4-Blätter füllen. Ich würde fast sagen, dass diese Arbeit am Plot die meisten grauen Zellen im Hirn verbraucht. Wenn das Gerüst steht, braucht man es „nur“ noch aufzuschreiben.

Was sicher auch noch einige Zeit in Anspruch nimmt…
Ja, so strukturiert ich bei der Arbeit am Plot bin, so unstrukturiert bin ich beim Schreiben. Mal schreibe ich nachts, mal tagsüber, mal im Schlafanzug am Küchentisch, mal im schicken Café am Ku’damm. Ich merke eigentlich immer schnell, ob ich irgendwo gut schreiben kann und ob der Ort an dem Tag für mich der richtige ist. Bei Schreibblockaden kommt es schon mal vor, dass ich von Café zu Café tingele, bis ich endlich reinkomme. Das wird zwar teuer, aber zumindest bin ich am Ende meine Blockade los! (lacht)

Einem Café verdanken Sie auch Ihren Arbeitsplatz zuhause.
Stimmt. In einem Café um die Ecke hatte ich einen wunderschönen Tisch entdeckt und mich gleich in die Farbe und das Material verliebt. Daraufhin habe ich den Tischler ausfindig gemacht, der ihn angefertigt hat. Nachdem ich einen neuen Buchvertrag unterschrieben hatte, habe ich mir den Luxus geleistet, mir exakt so einen Tisch für zu Hause bauen zu lassen. Es hat sich gelohnt: Ich lieeeebe meinen Schreibtisch!

Und wo befindet sich das Arbeitszimmer, in dem er steht?
In Berlin! Da lebe ich jetzt seit elf Jahren mit meinem Mann, übrigens auch ein Journalist. Gebürtig bin ich ja eine waschechte Nordfriesin, geboren und aufgewachsen in Husum. Obwohl dort immer Wind weht (ich hasse Wind!), liebe ich die Stadt und die Landschaft… Nirgendwo sonst gibt es so guten Käsekuchen und einen so schönen Himmel. Berlin ist dazu der komplette Gegenentwurf. Aber die Berliner Luft hat ja bekanntlich auch etwas zu bieten.

Wenn Sie neben dem Schreiben eine weitere Leidenschaft nennen sollten…
… dann wäre es das Pokern – ich pokere für mein Leben gern! In der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ und im „Handelsblatt“ habe ich schon über meine erfolglosen Versuche geschrieben, damit reich zu werden. Außerdem bin ich eine begeisterte Reiterin. An den Wochenenden ist das Leben öfter ein Ponyhof.

Die obligatorische Frage zum Schluss – haben Sie Pläne für weitere Romane?
Ich konzentriere mich erst einmal auf die Rentner-Reihe, die wahnsinnig viel Spaß macht. Aber bestimmt werde ich auch noch über andere Themen schreiben. Ich bin da ziemlich offen! Nur für Krimis habe ich kein Talent, fürchte ich. Bei mir wäre der Mörder wohl immer der Gärtner.

Mehr von Anne Hansen: www.facebook.de/annehansenschreibt

Die Fragen stellte Christian Berger, Projektleiter der Reader’s Digest Auswahlbücher.


 

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