Colin Firth: Schuld und Sühne
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Colin Firth: Schuld und Sühne

Für seinen stotternden König George VI. erhielt er den Oscar. Im Exklusivinterview mit Reader's Digest spricht Schauspieler und Oscar-Preisträger Colin Firth darüber, welche Rolle Vergebung in seinem Leben spielt.

Ausgabe: Juli 2015 Autor: Dieter Osswald

Seinen Durchbruch im Kino erlebte Colin Firth als Fußballfan in Fever Pitch, der Verfilmung des Bestsellers von Nick Hornby. Nach Auftritten in Der englische Patient und Shakespeare in Love folgten mit den beiden Bridget Jones -Filmen und Tatsächlich Liebe weitere Kassenschlager. Gerade noch im actionreichen Thriller Kingsman zu sehen, spielt der 54-jährige Mime jetzt ein Folteropfer in dem bewegenden Kriegsgefangenen-Drama Die Liebe seines Lebens. Es ist die wahre Geschichte von Eric Lomax, in der ein Folteropfer nach Jahrzehnten seinem Peiniger erneut begegnet.

Reader's Digest: Das zentrale Thema in "Die Liebe seines Lebens" heißt Vergebung. Wie wichtig ist für Sie Verzeihen im Leben?

Colin Firth: Vergebung ist eine ganz entscheidende Qualität im Leben – zugleich gehört es zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Die emotionalen Hürden sind immens. Gerade deshalb ist diese Geschichte von Eric Lomax, die der Film erzählt, so wichtig: Hier wird Vergebung nicht gepredigt von jemandem, der dies noch nie leisten musste. Sondern unser Protagonist muss erst eine unglaubliche Reise durchstehen, um zu diesem Ziel zu gelangen. Ich glaube, nur von Menschen wie ihm kann man wirklich etwas lernen.

Wären Sie selbst in der Lage dazu?

Mir wurde etwas derart Schlimmes noch nie angetan, deswegen kenne ich eine solch große Herausforderung nicht. Eine Geschichte wie jene von Eric Lomax lässt einen ziemlich demütig werden. Wenn jemand unter solchen Umständen bereit ist zur Vergebung, sollte man seine eigenen, kleinen Verärgerungen besser zweimal betrachten und sich fragen, ob sie wirklich so wichtig sind.

In Deutschland gab es unlängst einen der letzten Prozesse gegen einen KZ-Aufseher. Als im Gericht eine Überlebende dem betagten Angeklagten ihre Hand reichte, sorgte das für Diskussionen. Bedarf es übermenschlicher Qualitäten, um einem Täter so Furchtbares zu vergeben?

Dazu muss man schon außergewöhnlich sein. Wenn ich es richtig verstanden habe, war der Frau diese Geste der Vergebung wichtig, um sich von einer Last zu befreien. Denn sonst wären die Namen ihrer Peiniger auf immer mit ihr verbunden gewesen. Sie machte das, um frei zu sein und sich nicht länger als Opfer zu fühlen. Insofern kann Vergebung ein Teil von Triumph sein. Gleichwohl gab es Kritik von anderen Überlebenden, wie übrigens auch bei Eric Lomax. Doch darauf entgegnete sie: "Wie kann mein Verzeihen euch verletzen?" Als Außenstehenden steht uns eine Bewertung allerdings wohl weniger zu als jenen, die das durchlebt haben.

Mit Eric Lomax oder dem stotternden König George VI. haben Sie reale Personen verkörpert, ist das schwieriger als fiktive Figuren zu spielen?

Reale Figuren können eine größere Verantwortung bedeuten, was ich durchaus spannend finde. Weil jedoch jede Rolle ganz unterschiedlich ausfällt, würde ich die Unterscheidung zwischen real und fiktional gar nicht machen. In diesem Fall war es so, dass ich Eric Lomax kennenlernen und eine persönliche Beziehung aufbauen konnte, was als Schauspieler eine unglaubliche Bereicherung darstellt. Damit erlebte ich ihn nicht nur in diesem Ausschnitt seiner Geschichte, sondern als Menschen in seiner ganzen Bandbreite. Eric und ich wurden Freunde, nach seinem Tod stehe ich mit seiner Frau in Kontakt. Diese Begegnung hat mein Leben wirklich bereichert.


 

RD Abbinder
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