Terminal des Frankfurter Flughafens.
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Praktische Tipps

Frankfurter Flughafen, das Tor zur Welt

So manche Urlaubsreise beginnt am Frankfurter Flughafen. Ein Blick hinter die Kulissen.

Ausgabe: daheim Autor: Tobias Oellig
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Menschen mit Reisefieber soll man nicht aufhalten. Dazu benötigt man eine gut geölte Maschinerie. Eine Maschinerie wie den Frankfurter Flughafen, Deutschlands größter Airport, flächenmäßig aber einer der kleinsten Großflughäfen der Welt. Dennoch hätte auf seinem Gelände das Fürstentum Monaco gleich zehn Mal Platz. 61 Millionen Passagiere wurden 2015 gezählt, und mit 80.000 Beschäftigten ist er einer der größten Arbeitgeber Deutschlands. Als internationale Drehscheibe spielt er weltweit in der Oberliga mit. 55 Prozent seiner Passagiere sind Transfergäste. Wenn die Urlauber zwei, drei Stunden vor Abflug ihr Gepäck zum Check-in schleppen, befindet sich ihr Flieger meist noch in weiter Ferne. Die Anzeigetafel rasselt mit ihren Fallblättern, der Koffer verabschiedet sich von seinem Besitzer. Er plumpst vom Gepäckband in eine Transportwanne und macht sich mithilfe des Codes am Gepäckaufkleber auf den vollautomatischen computergesteuerten Weg zu seinem Ziel. Könnte man mitfahren in so einer Wanne, würde man abtauchen in ein 85 Kilometer langes unterirdisches Schienennetz auf mehreren Ebenen - mit Weichen, Hochgeschwindigkeitsstrecken, Lesegeräten und Röntgenapparate, die sie auf verbotene Substanzen untersuchen. Bis zu 20.500 Gepäckstücke können hier pro Stunde sortiert werden. In der Verladehalle werden sie in Container gepackt.

 

Ein Ort, der niemals ruht

Man kann die Zeit ja leicht vergessen in dieser Flughafenstadt, die niemals schläft. Ganze Einkaufsmeilen in den Terminals verführen zum Bummeln, Bistros und Restaurants laden ein, die Zeit bei einem Imbiss abzusitzen. Wer einen Moment der Ruhe und Stille sucht, hat die Möglichkeit, sich in die Kapelle, Moschee oder Synagoge zurückzuziehen. Gestresste können sich in Wellness-Oasen eine Massage gönnen. Es gibt Banken, Postfilialen und sogar ein Krankenhaus für die ambulante Versorgung sowie Impfungen in letzter Minute.

 

„Papa, Charlie, Whiskey.“

Buchstaben des Nato-Alphabets schwirren durch den Raum im achten Stock des Rampcontrol-Towers. Dort sitzt Thomas Wiedemann und blickt abwechselnd durch das Panoramafenster übers Vorfeld und auf seinen Bildschirm, auf dem sich gelbe Pünktchen mit Flugnummern bewegen wie in einem uralten Computerspiel. Er hat den schönsten Arbeitsplatz auf dem Flughafen – und gerade einen gelandeten A380 von der Deutschen Flugsicherung übernommen. Wiedemann und seine Kollegen sind für die Flugzeuge am Boden zuständig. „Wir dirigieren sie zu den Parkpositionen und wieder heraus“, erklärt er zwischen zwei Funkkontakten. Die Atmosphäre im Tower ist entspannt, obwohl die Vorfeldlotsen einen extrem verantwortungsvollen Beruf ausüben, der höchste Konzentration erfordert. Deshalb müssen sie alle zwei Stunden 30 Minuten Pause machen. Der weite Blick von hier oben ist großartig.

Langsam rollt der A380, das größte Verkehrsflugzeug, an seine Parkposition. Noch 90, 30, zehn Zentimeter. Stopp! Der doppelstöckige Airbus mit seinen 80 Metern Spannweite wippt kurz und steht. Dann läuft die Uhr. Männer in gelben Sicherheitswesten sprinten los, sichern die Räder mit schweren Blöcken. Das Flugzeug wird an den Bodenstrom angeschlossen und sofort von allen Seiten bearbeitet. Hinten leert das Fäkalienauto die Behälter, vorne wird das Fahrwerk inspiziert, aus dem Bauch Gepäck entladen. Unterhalb der elegant geschwungenen Tragflächen, in denen sich die Kerosintanks befinden, fahren Hydranten aus der versenkbaren Tankstelle. Unter Sirenengeheul dockt die Fluggastbrücke an.

 

In den Triebwerken eines A380 könnte man wohnen

In eineinhalb Stunden muss der A380 geputzt, betankt, das Catering, die Crew und die Passagiere an Bord haben und der Flieger wieder startklar sein. Denn Zeit ist hier sehr viel Geld, was sich nicht bewegt, kostet. Allein für die Landung eines A380 zahlt die Fluglinie rund 10.000 Euro. Noch röhren die Triebwerke des A380. Ihre Ausmaße sind so monströs, dass man darin wohnen könnte. Sie saugen 1,5 Tonnen Luft pro Sekunde an, die beim Start 1200 Grad heiß wird. Doch momentan ist der Supervogel ganz zahm, und wenn man direkt darunter steht, kann man ihn am Bauch streicheln. Es ist eine Menge los an diesem kühlen Vormittag. Alle 40 bis 60 Sekunden startet oder landet am Frankfurter Flughafen ein Flieger. Am Boden kreuzen Busse, Tankwagen, Gepäcktrolleys, Schlepper, die Fahrzeuge der Luftaufsicht ihren Rollweg. Die Passagiere sitzen jetzt hoffentlich an ihrem Flugsteig, denn bald wird das Boarding beginnen. Durchs Fenster können sie beobachten, wie plötzlich mehrere Feuerwehrautos über das Rollfeld rasen. Der Pilot einer soeben gelandeten Maschine hat wegen Geruchsentwicklung im Cockpit vorsichtshalber Alarm geschlagen.

 

Ein 1400 PS starkes Löschfahrzeug

Vier Feuerwachen gibt es auf dem Frankfurter Flughafen. Weit draußen am Rand der Startbahn West liegt die Feuerwache drei, und der Weg dorthin führt entweder an den riesigen Wartungshallen vorbei oder an der Lufthansa Cargo City, wo sich auch die Animal Lounge befindet für die tierischen Gäste auf der Ein- oder Ausreise – von Zierfisch bis Zootier, aber auch millionenteure Springpferde, Hunde und Katzen. In der Feuerwache drei zeigt Oberbrandmeister Becker stolz seine 1400 PS starken Kraftpakete, den Z8 XXL, ein Monster von einem Löschfahrzeug. „Sein Wassertank fasst 12.000 Liter, und er besitzt eine Wärmebildkamera mit zehnfachem Digitalzoom“, erklärt er. Zwischen den Fahrzeugen stehen die Schutzanzüge bereit zum Hineinspringen, denn zwischen Alarm und Löschvorgang dürfen nicht mehr als drei Minuten vergehen. Doch die Männer rücken auch bei einem Ölfleck aus.

Auf der Startbahn West nimmt ein A380 Anlauf. Wie in Zeitlupe hebt er sich in die Lüfte. Bevor er mit einer Kurve im Himmel verschwindet, bilden sich weiße Wolkenhaufen über den Tragflächen. Gute Reise!

 


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