Blühende Pflanzen im Bethmannpark in Frankfurt am Main im Sommer.
© istockfoto.com / Rainer Lesniewski
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Frankfurts grüne Seiten

In der Metropole am Main laden zahlreiche Parks ein zu einer Auszeit vom Alltag.

Ausgabe: daheim Autor: Tobias Oellig
Anzeige

Das Grün, für das Frankfurt bekannt ist, lässt sich als luftiges Bündel locker in einer Hand halten: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch. Aus diesen sieben Kräutern besteht die regionale Spezialität Grüne Soße, die kalt beispielsweise zu gekochten Eiern und Pellkartoffeln schmeckt. „Die Kräuter werden gar nicht weit von hier angebaut“, erzählt der Verkäufer in der Frankfurter Kleinmarkthalle, die in der Innenstadt gelegen ist. Kaum zu glauben, denn: Für ihre Grüne Soße mag die hessische Großstadt noch bekannt sein. Für ihre grüne Seite eher nicht. Dabei strotzt die Metropole am Main nur so vor Grün. Über 40 Parks verteilen sich auf der Stadtfläche, die zur Hälfte unbebaut ist.

Spaziert man von der Kleinmarkthalle aus los, läuft man zwar nicht gleich durch Sauerampfer- und Petersilienbeete, aber durchs satte Grün der Wallanlagen. Fünf ineinander übergehende Parks, die sich wie ein Ring um die Innenstadt legen. Vor gut 200 Jahren verliefen hier noch die mittelalterlichen Stadtmauern, umgeben von einem Graben, den der Main bewässerte. Als das Gelände Anfang des 19. Jahrhunderts als Gartenland versteigert wurde, legte sich das Frankfurter Bürgertum hier Sommernischen an: kleine Gärten zur Erholung. Heute fläzen sich in ihren Mittagspausen Banker auf den Wiesen der Wallanalagen oder im Schatten der Linden und Kastanien.

 

Gärten im Turm

Hebt man den Blick, baut sich ringsum die Wolkenkratzerkulisse des Bankenviertels auf. Auch wenn man es nicht sieht: Selbst hinter der gläsernen Fassade des Commerzbank Tower wuchert das Grün. Wer hier arbeitet, kann in einem der neun innenliegenden Turmgärten Pause machen. Diese folgen einem botanischen Thema: In den Ostgärten schießt Bambus in die Höhe, im Westen wachsen Ahorn und sogar ein Mammutbaum. Auf der mediterranen Südseite sonnen sich über 200 Jahre alte Olivenbäume, dazwischen Zitronen, Zypressen und Akazien. Gäste gelangen in die höchstgelegenen Gärten Frankfurts nur im Rahmen einer Führung. Aber auch, wenn man auf dem Boden bleibt, kann man durch mediterrane Gefilde flanieren. Denn wenige Schritte entfernt liegt am nördlichen Mainufer Nizza.

Durch die vom Main reflektierte Sonneneinstrahlung gedeihen im Windschatten der Kaimauern Pflanzen, die an die Gärten der französischen Riviera erinnern: Bananenstauden, Granatapfel- und Feigenbäume wachsen hier. Das mehr als fünf Fußballfelder große Nizza zählt zu den größten öffentlichen südländischen Gärten nördlich der Alpen.

Noch eine Spur exotischer wird es im Palmengarten nordwestlich der Innenstadt. Im Wasserbecken des Mangrovengartens schillern die hellblauen Blätter der Blauen Lotos vom Nil, eine ägyptische Seerose. Papageienpflanzen aus Nordamerika verströmen den Duft von Honig. An heißen Sommerwochenenden liegen auf den Wiesen rund um die Tropenhäuser Menschen in Bikinis und Badehosen.

 

Dichte Rhododendren dämpfen Verkehrsgeräusche

Gleich an den Palmengarten grenzt der Grüneburgpark. Hier trifft sich Frankfurts Jugend und macht den Park zur Partymeile. Viel ruhiger geht es im Bethmannpark zu. Dichtgewachsene Rhododendren dämpfen die Verkehrsgeräusche, Radfahrer und Hunde müssen draußen bleiben. Schweigend schieben Männer mit ernsten Gesichtern Figuren über ein Schachfeld. Noch besinnlicher wird es hinter den dicken weißen Mauern, durch die eine Pforte zum Chinesischen Garten führt. Er ist in den Bethmannpark eingebettet. Bambus überwuchert die Steinbänke längs des Pfades, der einen Teich umrundet. Über eine Marmorbrücke gelangt man zu einem Pavillon mit Pagodendach, der inmitten des Weihers ruht.

Will man den Tag im Grünen ausklingen lassen, erwischt man die letzten Sonnenstrahlen am Museumsufer in Sachsenhausen. Mit Blick auf Nizza, das Rathaus und die Skyline genießen die Frankfurter hier am Wasser ihren Feierabend im Liegestuhl. Oben am Schaumainkai reiht sich ab dem Eisernen Steg ein Museum ans nächste, dahinter erstreckt sich der weitläufige Museumspark. Hungrig vom Streifzug durch die grüne Stadt, braucht man bloß links in die Schweizer Straße abzubiegen und in einer der „Äppelwoi“-Kneipen einzukehren. Kellner mit grimmigen Gesichtern und typisch hessischer Mauligkeit servieren hier das „Schdöffsche“, wie der Frankfurter seinen Apfelwein auch nennt. „Was zum Essen dazu?“ Ja, bitte. Egal, was. Aber unbedingt mit Grüner Soße.

 


 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH - Vordernbergstraße 6, 70191 Stuttgart