Ist Ihnen ein gewöhnlicher Urlaub zu langweilig?
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Praktische Tipps

Ist Ihnen ein gewöhnlicher Urlaub zu langweilig?

Besondere und besonders verrückte, ja irre Urlaubserlebnisse liegen voll im Trend - ob als Indianer, Meerjungfrau oder gar zum Tschernobyl-Reaktor.

Ausgabe: Februar 2019 Autor: David Thomas
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Joy Swift gilt als eine der Erfinderinnen des Erlebnisurlaubs. Sie hatte die Idee zu Krimiwochenenden, bei denen Hotelgäste zu Zeugen eines oder mehrerer fiktiver Morde werden und anschließend als Detektive den Täter ermitteln. 1981 fand das erste Krimidinner in einem Hotel nahe Liverpool statt, bei dem Schauspieler sich unter die Gäste mischten. Die Gelegenheit, in die Rolle von Agatha Christies Detektiv Hercule Poirot zu schlüpfen, erwies sich auf Anhieb als Erfolg. Bis heute erfreuen sich diese Wochenenden großer Beliebtheit. Doch die gemeinsame Mörderjagd ist nur eines von vielen ungewöhnlichen.

Mongolisches Kriegertraining

Zu den besonders skurrilen gehört wohl das dreitägige Dschingis-Khan-Kriegertraining in der Mongolei. Dort lernen die Teilnehmer neben dem Überleben in der Wildnis die Herstellung von Pfeil und Bogen sowie das Schießen damit – auch hoch zu Ross. Sie erfahren, wie man in einer mongolischen Jurte lebt oder wie man mehrere Feuer gleichzeitig entzündet, um Feinde zu verwirren. Das alles findet in gerade einmal 72 Stunden statt. Clare Jones, eine der ersten Teilnehmerinnen, erklärte begeistert: „Mit jeder neuen Aufgabe haben wir mehr über die Mongolen gelernt.“

Unter Indianern

In heimischen Gefilden tummeln sich Hobby-Indianer – inspiriert durch die Wildwestromane von Karl May aus dem 19. Jahrhundert. In den 1960er-Jahren befeuerten die Filme über den Apachenhäuptling Winnetou die Bewegung zusätzlich. In Deutschland treffen sich bis zu 40.000 Fans regelmäßig zu Wochenendcamps und Indianerfesten. Manche Sommerlager, die teils an geheim gehaltenen Orten stattfinden, ziehen Anhänger an, die es besonders ernst meinen. Sie lieben die Vorstellung, zu einer einfachen, naturverbundenen Lebensweise zurückzukehren, und spielen dies in romantisch verklärter Version nach – mit besserem Essen. Die kanadische Fotografin Jen Osborne hat mehrere solcher Camps in Ungarn, Polen und Deutschland besucht. „Für manche ist es ein Spaß, andere identifizieren sich tatsächlich mit den amerikanischen Ureinwohnern“, erzählt sie. Ihrer Ansicht nach sind die Treffen „eine Möglichkeit, in eine andere Welt zu fliehen, die interessanter und exotischer ist“.

Die Tschernobyl-Tour

Wem ein Besuch des Parthenons in Athen oder der Trümmer von Pompeji zu langweilig erscheint, könnte stattdessen eine moderne Ruine besichtigen: den Atomreaktor Nummer vier im ukrainischen Tschernobyl. Dazu müssen Sie nicht einmal einen Geigerzähler einpacken. Denn die Stätte, an der sich im April 1986 die bis dato schlimmste nukleare Katastrophe weltweit ereignete, liegt inzwischen unter einem glänzenden Stahlmantel verborgen. Der Sarkopharg kostete 1,5 Milliarden Euro, wiegt 36.000 Tonnen und umschließt die erste Betonhülle. Diese war in den Monaten nach dem Super-GAU gebaut worden, um die Freisetzung radioaktiver Strahlung einzugrenzen. Sergii Mirnyi gehörte zu den Wissenschaftlern, die 1986 für die Überwachung der Strahlung am Reaktor zuständig waren. Heute organisiert er Besichtigungstouren, die bis zu einer Woche dauern. Er führt die Besucher zum Reaktorgelände, in die Stadt Tschernobyl und in die 2600 Quadratkilometer große Sperrzone, die sich inzwischen in eine Art Naturreservat verwandelt hat. Mirnyi ist davon überzeugt, dass von Tschernobyl keine Gefahr mehr ausgeht. „Wenn ich die Führung beendet habe, fühle ich mich wie damals, als die Schicht zu Ende war. Ich hatte das Gefühl, dass die Welt sich ein wenig verändert hatte – ein sauberer und besserer Platz.“

Wie eine Meerjungfrau

Weniger Nervenkitzel, dafür mehr Glamour verspricht ein Strandurlaub. Und vergessen Sie nicht, den Nixenschwanz einzupacken. Der Rummel um die Meerjungfrauenflosse begann in den USA nach Filmen wie Splash (Eine Jungfrau am Haken) und Arielle, die Meerjungfrau. Inzwischen ist der Trend auch in Europa angekommen. Farbenfrohe maßgeschneiderte Schwimmschwänze für Meerjungfrauen und Meermänner sind mit Silikonschuppen sowie speziell geformten Flossen versehen und kosten bis zu 1000 Euro. Bevor Sie sich damit in die Fluten stürzen, sollten Sie aber Unterricht nehmen. Der 25-jährige Christian Riel ist angehender Schwimmlehrer aus Bayern und unter dem Namen Merman Chris (Meermann Chris) auch als Fotomodel tätig. 2018 war er das Gesicht einer Werbekampagne der Webseite hotels.com für Meerjungfrauenschulen in Spanien, Japan und Mexiko. „Meerjungfrauen sind der absolute Megatrend“, so Riel. „Nicht nur kleine Mädchen träumen davon, eine Meerjungfrau zu sein. Ich kenne auch Meermänner aus Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Deutschland und Belgien. Die Wesen sind magisch, und warum sollte man seinen Traum nicht verwirklichen? Außerdem schwimmt man mit einer Schwanzflosse viel schneller.“

Wettlauf durch die Sahara

Der Marathon des Sables geht für die meisten Menschen vermutlich einen Schritt – oder eher zigtausende – zu weit. Den sechstägigen, 251 Kilometer langen Ultramarathon quer durch die Sahara im Süden Marokkos nennt man auch „das härteste Rennen der Welt“. Wer sich dieser Tortur stellen möchte, bezahlt eine Startgebühr von 3190 Euro und läuft an einem Tag mehr als 80 Kilometer – knapp die doppelte Marathondistanz.

Der anglo-französische Blogger

Arthur Worsley liebt solche extremen Abenteuer. Deshalb nahm er 2016 zusammen mit vier guten Freunden an dem Rennen teil. „Es war die Gelegenheit, zusammen Zeit in der Wüste zu verbringen“, erzählt er. „Keine Ablenkung durch Handy oder E-Mail – wie oft ist das der Fall?“ Als Worsley buchte, schaffte er gerade einmal eine Distanz von drei Kilometern. In den zehn Monaten bis zum Rennen musste er fit werden. „Ich lief überall, wo ich gerade war“, erzählt er. „Es war nicht immer leicht, aber es war auch eine einzigartige Möglichkeit, die Welt um mich herum kennenzulernen.“ Da die Läufer des Marathon des Sables ihre komplette Verpflegung und Ausrüstung selbst tragen müssen, trainierte Worsley mit einem Rucksack, den er mit 20 vollen Flaschen beladen hatte. „Ich habe mit der Zeit gelernt, die Schmerzen beim Ultralaufen auszuhalten. Schließlich habe ich mich in den Sport verliebt“, sagt Worsley. „Wenn man gelernt hat, die Wüste zu schätzen, ist die Qual leichter zu ertragen. Ihre schiere Größe und Schönheit erfüllte mich mit tiefer Demut, die eigenen Probleme erschienen dagegen nichtig. Der Marathon war gnadenlos, herausfordernd, lebensverändernd und hat viel Spaß gemacht. Ich würde jederzeit wieder mitlaufen.“

Die eiskalte Option

Man kann Extreme auch anders erleben – mit einer Reise in die Antarktis, die am wenigsten erforschte Region des Planeten. Bis vor Kurzem war der unwirtliche siebte Kontinent größtenteils unzugänglich. Nun ist es für Touristen auf Expeditionsschiffen unter Einhaltung strikter Umweltrichtlinien möglich. Die Routen führen vorbei an Eisbergen und Gletschern und eröffnen Anblicke, die nur wenigen Menschen bislang vergönnt waren. Solche Unterfangen bergen aber auch Risiken. Ein Schiff, das zum 100. Jahrestag der Australasiatischen Antarktisexpedition unterwegs war, steckte eine Woche lang im Eis fest. Daraufhin mussten die 52 Menschen an Bord mit einem Hubschrauber zu einer Eisscholle unweit des Eisbrechers Aurora Australis geflogen werden. Er konnte das eingeschlossene Schiff aufgrund einer zu dicken Eisschicht nämlich nicht erreichen.

Eine Reise zum Mond

Das entfernteste und wohl auch gefährlichste Reiseziel hat sich ein japanischer Milliardär auserkoren. Yusaku Maezawa erwarb für sich und sechs bis acht Gäste ein Ticket für einen Flug in der Big Falcon-Rakete von Elon Musk, dem Gründer von Tesla und SpaceX. Angeblich kostete der Spaß 69 Millionen Euro. Der geplante Termin für den ersten Urlaubsflug um den Mond ist im Jahr 2023.

 


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