Blick über die Stadt Meersburg und den Bodensee bis zum schweizer Ufer des Sees. Auf dem Bodensee fahren Fähren, die Passagiere und Autos transportieren.
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Deutschland, Schweiz, Österreich - drei Länder am See

Seine Lage im Dreiländereck, die reizvolle Landschaft und das milde, im Sommer fast mediterrane Klima macht den Bodensee so attraktiv.

Ausgabe: daheim Autor: Dorothee Fauth
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Aus Eis ist er geboren. Aus den Massen des Rheingletschers, der diese Gegend einst von den Schweizer Alpen bis zur Donau bedeckte und formte und, als er sich zurückzog, ein Becken mit Wasser füllte. „Von allen Eiszeitgeschenken ist er das bedeutendste“, sagt der Dichter Martin Walser über den Bodensee, an dem er sein ganzes Leben verbracht hat. Eine Zärtlichkeit bescheinigt er ihm und seinen runden Hügeln drumherum, „auch wenn er dann darauf besteht, dass in ihm auch ertrunken werden kann“.

Keiner hat den See je poetischer beschrieben

Es ist diese Zärtlichkeit der Landschaft, verbunden mit dem Atem der Geschichte und einem milden, im Sommer fast mediterranen Klima, das den Bodensee so attraktiv macht. Falls der Kalauer „Wenn ich den See seh, brauch ich kein Meer mehr“ irgendwo zutrifft, dann hier. Warum an die Riviera reisen, wo es doch Überlingen gibt? Die ehemalige freie Reichsstadt am gleichnamigen Seeabschnitt besitzt eine Uferpromenade mit südländischem Flair. Wer sich vor einem der zahlreichen Lokale einen freien Platz zwischen Palmen und Blumenkübeln ergattert hat, gibt ihn so schnell nicht wieder auf. Bei einem Glas Blauburgunder oder Müller-Thurgau von den Hängen des Nordufers schaut man versonnen aufs Wasser, das (in der Regel) nicht geräuschvoll heranrollt, sondern sanft am Ufer leckt. Das an jedem Tag die Farbe des Himmels spiegelt und wie ein Verstärker wirkt (Walser), der die guten Stimmungen noch besser und die trüben noch trüber macht.

Überlingen: idealer Start für eine Reise um den See

Eine Reise um diesen stattlichen Trinkwasser- und Sonnenspeicher, dessen 273 Kilometer Uferlinie drei Länder untereinander aufteilen. Ostwärts reihen sich die Sehenswürdigkeiten und hübschen Städtchen aneinander wie die Perlen einer Kette. Den Auftakt macht ein „Gloria“ im Weinberg. Umgeben von nichts als Rebstöcken und weithin sichtbar erhebt sich das Kloster Birnau mit seiner prachtvollen Wallfahrtskirche – ein Rokokotraum vom Himmel auf Erden, dessen berühmteste Figur ein kleiner naschsüchtiger Engel ist, der Honigschlecker. Nur wenige Minuten davon entfernt hat man Jahrtausende zurückgelegt in eine Zeit, als die ersten Bauern und Fischer am damals noch gar nicht lieblichen, sumpfigen Bodenseeufer siedelten. Sie bauten ihre Hütten auf Stelzen, die das Moor konservierte. Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen mit Nachbauten aus dieser prähistorischen Zeit gibt einen anschaulichen Einblick in das Leben unserer Vorfahren.

Meersburg

Die kleine Stadt leidet – an ihrer Schönheit. Während der Saison muss man die mittelalterliche Oberstadt mit ihren Fachwerkhäusern und bunten Fassaden, Treppengiebeln, Erkern, Blumenfenstern, Türmen und Toren, dem rosafarbenen Schloss der Fürstbischöfe von Konstanz sowie der alten Burg mit vielen Menschen teilen. Ist es doch einer der Haupt-Knotenpunkte der Bodensees-Schifffahrt, die im Kursverkehr kreuz und quer Städte, Ufer und Länder verbindet. An Bord der Weißen Flotte zeigt sich der Bodensee von seiner entspanntesten Seite. Während man an Deck Seeluft schnuppert, kann man das Unmögliche versuchen: all die weißen Dreiecke zu zählen, die schon bei der kleinsten Brise die gesamte Seefläche sprenkeln. Jollen und Yachten kreuzen durch europäisches Gewässer, teilen sich doch alle drei Staaten am Obersee ab 25 Meter Wassertiefe das Hoheitsrecht. Möglicherweise entdeckt man zwischen den windschnittigen Seglern einen schwerfälligen Kahn mit eckigem Tuch. Die Lädine, ein Nachbau der alten Lastsegelschiffe, sticht von Immenstaad aus in den See – beladen mit abenteuerlustigen Urlaubern, Weißwurst-Frühstück und guter Laune. Ihre Route bestimmt allein der Wind.

Vom Wind ist das riesige Luftschiff dagegen nicht abhängig, das leise brummend am Himmel seine Kreise zieht. In Friedrichshafen wird sie noch immer (beziehungsweise wieder) gebaut, die große Leidenschaft des Grafen von Zeppelin, die die Stadt einst mit der weiten Welt verband. Eine Teilnachbildung der legendären Hindenburg im Zeppelinmuseum lässt diesen Mythos aus Euphorie und Katastrophen wiederaufleben.
Das Schiff gleitet vorbei am Eriskircher Ried, das im Mai mit Tausenden von violetten Schwertlilien-Blüten der Blumeninsel Mainau Konkurrenz macht. In Langenargen kommt das maurisch anmutende Schloss Montfort in Sicht, und dann erreicht man zwischen Kressbronn und Wasserburg bayerisches Staatsgebiet. Ohne Zeitdruck durch die autofreien Gassen der Inselstadt hinter mächtigen Wehrmauern schlendern, vorbei an schmucken Bürgerhäusern und dem Rathaus mit seiner Bilderbuchfassade zum Hafen, der von einem sechs Meter hohen bayerischen Löwen bewacht wird. So viele Eindrücke! Und die Gewissheit, dass ohne den See nichts so wäre, wie es ist.
Die Zeit, die sich federleicht zu Stunden dehnen lässt und in der man einfach am Ufer sitzt und aufs Wasser schaut, gehört daher zu den glücklichsten Momenten am See – ob nun die „Wasseroberfläche im Gefunkel zerspringt“ (Walser) oder bei heftigem Föhnwind schäumt, als wolle sie die weißen Bergriesen des Appenzeller Lands nachahmen, die sich am gegenüberliegenden Ufer auftürmen.

Lindau: Happy End Deutschlands am Ostzipfel des Bodensees

Kaum hat man die Stadt hinter sich gelassen, steht man auf österreichischem Grund. Der nimmt zwar nur 28 Kilometer am Ufer ein, dafür sorgt Bregenz mit seinen alljährlichen Seefestspielen und gigantischen Bühnenbildern für umso mehr Furore. Die alte Römerstadt hat aber noch einen Höhepunkt: den Pfänder. Binnen sechs Minuten schwebt die Panoramagondel auf den 1064 Meter hohen Berg. Und während unten im berüchtigten Tunnel meist dicke Luft herrscht, genießt man dort oben alle Freiheiten, zumindest was die Sicht angeht – über den See in seiner ganzen Länge und Weite und auf wunderbare Sonnenuntergänge. Kurz bevor sich der Alpenrhein aus den Bergen Graubündens in den Bodensee ergießt, wird er noch ein Österreicher.
Das Flussdelta westlich von Bregenz ist eine Wasserlandschaft von ganz eigenem Zauber und Vogelschutzgebiet mit weiten Schilfflächen und Feuchtwiesen. Von den Unmengen unterschiedlicher Gesteinsarten, die der Rhein hier in dem See schaufelt, legt er einen Teil auch an diesen Ufern ab und macht sie, etwa am Rohrspitz, zu einer Fundgrube für Kieselsucher. Bei St. Margarethen wachsen Bergwiesen bis fast zum See hinunter, auf denen – alpenländisch korrekt – Kühe ihrem Tagesgeschäft nachgehen.

Die gesamte Schweizer Seite ist der gelassene Gegenentwurf zum turbulenten Nordufer. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, einfach mal die Zeit am Ufer zu verträumen oder auf den See hinauszuschwimmen. Eine der schönsten Etappen des Bodensee-Radwegs führt fernab der Straße direkt am Thurgauer Seeufer entlang. Richtig urban wird es erst wieder in Kreuzlingen und Konstanz, wo sich der Seerhein zwischen der Schweiz und Deutschland zum Untersee hindurchgezwängt hat. Für die Schweizer ist der ein autonomes Gewässer, das mit seinen ausgedehnten Flachwasser-Zonen einen ganz eigenen Charakter besitzt. Drei Naturschutzgebiete auf der Höri, der Halbinsel Mettnau und dem Wollmatinger Ried machen den Untersee zudem zur Top-Adresse für Vogelliebhaber.

Konstanz, die quirlige Universitäts- und heimliche Hauptstadt des Bodensees, bietet mit ihren beiden Perlen, der Blumeninsel Mainau und der Klosterinsel Reichenau, Stoff genug für mindestens einen ganzen Tag. Nicht zu vergessen die kostenfreien Strandbäder in Litzelstetten, Dingelsdorf und Wallhausen. Ein Geheimtipp ist der idyllisch gelegene Badeplatz am Mindelsee auf dem Bodanrück. So heißt die bewaldete Anhöhe zwischen Untersee und Überlinger See. An dessen Steilufer bei Langenrain hat sich ein kleiner Bach tief in das Gestein eingegraben und die romantische Marienschlucht geschaffen. Steile Treppen und schmale Stege führen an bemoosten Felswänden vorbei zu einem kleinen Sandstrand, der sogar einen Fähranleger besitzt. Von hier aus kann man auf einem Uferpfad bis Wallhausen spazieren.

Mit Ludwigshafen und Sipplingen schließt sich der Kreis um den Bodensee. Wer nicht abrupt Abschied nehmen will, fährt noch hinauf auf den Sipplinger Berg zum Höhengasthaus Haldenhof, zugleich einer der allerschönsten Aussichtspunkte auf den Bodensee. Und es ist, als wispere der Wind in den Baumkronen Zeilen aus Martin Walsers „Heimatlob“: „Unsere Hügel sind harmlos. Der See ist ein Freund. Der Himmel glänzt vor Gunst. (…) Die Luft ist süß von Geschichte, von Durchdachtheit klar. Der Föhn malt auf Goldgrund die Nähe zur Unendlichkeit.“


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