Monte Carlo: der Palast der Grimalsdis auf dem Felsen hoch über der Bucht.
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Urlaubsziele

Europas besondere Zwergstaaten

Was die kleinsten Länder Europas so besonders macht und weshalb sich ein Besuch dort unbedingt lohnt.

Ausgabe: Dezember 2019 Autor: Tim Hulse
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  • LUXEMBURG - Fläche: 2586 km², Einwohner: rund 602.000

    LUXEMBURG - Fläche: 2586 km², Einwohner: rund 602.000

    Luxemburg ist ein herzlicher Ort. Besucher bleiben gern länger, wie die Habsburger, die Burgunder, die Preußen, die Spanier, die Holländer, die Belgier und die Franzosen, die das Großherzogtum zu ihrem Zuhause erkoren. Heute sind fast die Hälfte der jungen Bevölkerung Ausländer, deren Durchschnittsalter bei 39 Jahren liegt. Wer auf der Durchreise ist, kommt meist wegen der vielen Burgen ins Land und der historischen Sehenswürdigkeiten in der Stadt Luxemburg oder wegen des Essens und des Weins. Es gibt mehr Michelin-Sterne pro Einwohner als in jedem anderen Land der Welt.
    Das Land ist wohlhabend und hat das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Die offiziellen Landessprachen sind Französisch, Deutsch und Luxemburgisch. Letzteres geht auf das Fränkische zurück und wird traditionell nur zu Hause gesprochen. Doch laut einer Studie von 2013 sprechen 70 Prozent der Einwohner Luxemburgisch bei der Arbeit, in der Schule und/oder zu Hause. 56 Prozent gaben an, es sei ihre Hauptsprache.
    Ein Mann, der fließend Luxemburgisch spricht, stammt aus der Kleinstadt Redingen. Er ist der jüngst in Ruhestand getretene Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker. In der Stadt Luxemburg (Foto) befindet sich auch der erste halbkreisförmige Plenarsaal, der für das Europäische Parlament gebaut wurde. Zu besichtigen ist er während einer einstündigen Führung, bei der auch die Institutionen der Europäischen Union vorgestellt werden. Klingt verlockend. Oder vielleicht bevorzugen Sie doch eines der mit Michelin-Sternen prämierten Restaurants…
    Besuchsgrund: Das Essen, der Wein, die Landschaft, die Geschichte.

    Foto: © iStockfoto.com / tibu
  • VATIKANSTADT - Fläche: 0,44 km², Einwohner: rund 1000

    VATIKANSTADT - Fläche: 0,44 km², Einwohner: rund 1000

    Im winzigsten Staat Europas ist man dem Wein sehr zugetan. Zahlen des kalifornischen Wine Institute zufolge werden pro Kopf 105 Flaschen jährlich konsumiert. Das ist im Schnitt doppelt so viel wie in Frankreich oder Italien. Vielleicht liegt es daran, dass dort nur wenige Kinder leben oder dass auf Wein kaum Steuern erhoben werden.
    Hauptsächlich locken Kunst, Architektur und der Pontifex jedes Jahr mindestens fünf Millionen Menschen in den Petersdom und die Sixtinische Kapelle, um die klassischen Gemälde und Skulpturen zu betrachten. Wollte man jedes Gemälde eine Minute anschauen, würde es vier Jahre dauern, um alle zu sehen. In gewisser Weise ist auch der Papst eine Attraktion. Mittwochs und sonntags ist er auf dem Petersplatz zu bestaunen. Der Vatikan ist die einzige gewählte absolute Monarchie der Welt. Sie hat nur ein paar Hundert Untertanen, die eigene Pässe und eine eigene Nationalhymne haben. Steuern werden nicht erhoben – die Einkünfte stammen aus den Verkäufen von Andenken, Briefmarken, Publikationen, Eintrittskarten für Museen und Spenden von Gläubigen.
    Der Vatikan prägt eigene Münzen, die bei Sammlern äußerst begehrt sind. Und wollen Sie am Geldautomaten Bargeld holen, tippen Sie auf „salve“. Es ist der einzige Ort weltweit, an dem Sie als Sprache Lateinisch auswählen können.
    Besuchsgrund: Kunst und Pontifex

    Foto: © iStockfoto.com / sorincolac
  • MONACO  - Fläche: 2,02 km², Einwohner: rund 38 000

    MONACO - Fläche: 2,02 km², Einwohner: rund 38 000

    Mit rund 19.000 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Monaco zu den am dichtesten besiedelten Staaten der Welt. Dies scheint allerdings keine nachteilige Wirkung auf die Monegassen, wie die Einwohner genannt werden, zu haben. Im Gegenteil: Ihre Lebenserwartung gilt weltweit mit knapp 90 Jahren als die höchste. Rund ein Drittel der Bevölkerung sind angeblich Millionäre – in einem Land, das dafür bekannt ist, keine Einkommenssteuer zu erheben. Dadurch hat sich Monaco zu einem beliebten Zufluchtsort für Superreiche entwickelt.
    Vor mehr als 150 Jahren wurde das berühmte Casino Monte-Carlo (Foto) als Einkommensquelle für das Herrscherhaus der Grimaldis eröffnet, das damals kurz vor dem Bankrott stand. Seitdem hat sich das Casino Monacos zum Symbol für Reichtum und Glamour entwickelt. Nach wie vor generiert das Casino beträchtliche Einkünfte für den derzeitigen ersten Mann im Staat, Fürst Albert II., und seine Frau, Fürstin Charlène.
    Bekannt ist das Fürstentum außerdem für den Großen Preis von Monaco in der Formel 1. Wegen der engen Kurven erklärte der ehemalige Fahrer Nelson Piquet einmal, das Rennen sei wie „Fahrradfahren im Wohnzimmer“. Jedes Jahr erleben Millionen Fans an den Fernsehgeräten mit, wie die Fahrer durch die engen Gassen rasen, während sich die Reichen auf ihren Superjachten im Hafen die Zeit vertreiben.
    Besuchsgrund: Das Treiben der Superreichen im Hafen sowie das Belle-Époque-Casino.

    Foto: © iStockfoto.com / Deejpilot
  • SAN MARINO - Fläche: 61 km², Einwohner: rund 33 800

    SAN MARINO - Fläche: 61 km², Einwohner: rund 33 800

    Die Republik San Marino ist ein Zwergstaat in den Bergen oberhalb von Rimini an der italienischen Adriaküste. Der Stadtstaat des antiken Roms ist seit seiner Gründung im Jahr 301 unabhängig und somit die älteste Republik der Welt. San Marino ist kein Mitglied der Europäischen Union, unterhält aber eine offene Grenze zu Italien. Einen Stempel im Pass gibt es gegen eine Gebühr in der Touristeninformation.
    San Marino hat weltweit die höchste Zulassungsquote für Fahrzeuge – mehr Autos als Einwohner. Im Parlamentsgebäude steht übrigens eine Büste von Abraham Lincoln. 1861 hatten ihm die San-Marinesen zur Wahl zum Präsidenten gratuliert, woraufhin er freundlich zurückschrieb: „Obwohl Ihr Hoheitsgebiet klein ist, ist er einer der am meisten geehrten Staaten in der Geschichte.“ Ein nur schwer zu übertreffendes Lob.
    Heute ist der Zwergstaat ein beliebtes Ziel für Tagesausflügler, die unter anderem wegen der herrlichen Aussicht kommen. Ein weiterer Besuchermagnet ist die Wachablösung vor dem Regierungspalast. In den Sommermonaten findet die Zeremonie stündlich statt. Dabei präsentiert die Festungswache, die Guardia di Rocca, ihre farbenfrohen Uniformen mit roten Bommeln und weißen Straußenfederbüschen.
    Besuchsgrund: Vor allem die Aussicht (und die roten Bommeln).

    Foto: © iStockfoto.com / alxpin
  • LIECHTENSTEIN - Fläche: 160 km², Einwohner: rund 38 600

    LIECHTENSTEIN - Fläche: 160 km², Einwohner: rund 38 600

    Liechtenstein ist eher unscheinbar. Wissen Sie beispielsweise, wie die Hauptstadt heißt? Es ist Vaduz mit 5625 Einwohnern. Die größte Stadt des Landes ist Schaan mit 6016 Einwohnern. Dennoch gibt es – egal wo Sie sind – ein Stückchen Liechtenstein. Zum Beispiel die leuchtend roten Elektrowerkzeuge, die Arbeiter nicht nur auf Baustellen benutzen. Sie stammen von der Liechtensteiner Firma Hilti. Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen der Schweiz und Österreich ist es kaum verwunderlich, dass die meisten Besucher zum Skifahren herkommen. Hanni Wenzel, die bei den Olympischen Winterspielen 1980 zwei Gold- und eine Silbermedaille gewann, hat sich ihre Sporen auf den Hängen von Malbun (Foto) verdient, dem Skigebiet Liechtensteins.
    Abseits der Skipisten sorgen historische Burgen, Wanderwege und Museen für „fürstliche Momente“, so der Tourismusverband. Aber Vorsicht: Ein offizielles Dokument weist daraufhin, dass „geräuschvolle Feiern“ zur Mittagszeit und nach 22 Uhr zu vermeiden sind. Das gilt ebenfalls fürs Rasenmähen. Kurzurlauber müssen sich darüber wohl keine Sorgen machen.
    Besuchsgrund: Das Beste der Alpen in handlichem Format.

    Foto: © iStockfoto.com / Ricky Deacon
  • MALTA - Fläche: 316 km², Einwohner: rund 467 000

    MALTA - Fläche: 316 km², Einwohner: rund 467 000

    Selbst wenn Sie noch nie auf Malta waren, kennen Sie dessen sonnenverwöhnte Landschaften oder historische Kalksteinbauten vermutlich aus einem Film oder einer Fernsehserie. Mehr als 100 internationale Produktionen wurden hier gedreht, darunter Gladiator, Troja und Game of Thrones. Für die Echtfilmversion von Popeye wurde extra ein Filmdorf gebaut (Foto), das sich inzwischen zu einer der größten Touristenattraktionen des Landes entwickelt hat. Zahlreiche Besucher kommen wegen des garantierten Sonnenscheins (mindestens 3000 Stunden pro Jahr), zum Tauchen sowie wegen der wechselvollen Geschichte, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Über die Jahrhunderte haben zahllose Nationen Anspruch auf den 21 Inseln umfassenden Archipel erhoben und auf die eine oder andere Weise ihre Spuren hinterlassen. Dies gilt nicht zuletzt für die Ritter des Johanniterordens, denen das Land sein berühmtes achteckiges Kreuz und die befestigte Hauptstadt Valletta verdankt.
    Ein Naturdenkmal, das leider nicht mehr existiert, ist das „Blaue Fenster“, ein 28 Meter hoher Felsbogen an der Küste der Insel Gozo gewesen. Lange gehörte er zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten, stürzte aber im März 2017 während eines Sturms ein. Heute ist nichts mehr von ihm zu sehen.
    Bevor Meghan Markle Prinz Harry traf, erzählte sie in einem Interview, dass ihre Ururgroßmutter einst auf der Insel gelebt habe. Auch die US-amerikanische Sängerin Britney Spears und der kanadische Musiker Bryan Adams haben eine besondere Verbindung zu der Insel – sie durch ihren Ururgroßvater und er durch seine Großmutter.
    Besuchsgrund: Geschichtsinteressierte kommen voll auf ihre Kosten, ebenso wie Sonnenanbeter.

    Foto: © iStockfoto.com / Allard1
  • ANDORRA - Fläche: 468 km², Einwohner: rund 73 .000

    ANDORRA - Fläche: 468 km², Einwohner: rund 73 .000

    Im März 2019 waren die Augen der Wintersportwelt auf Andorra gerichtet, wo mit dem Finale des alpinen Skiweltcups das größte Sportereignis in der Geschichte des Landes ausgetragen wurde. Die andorranische Regierung ließ anlässlich des einwöchigen Ereignisses sogar eine spezielle 2-Euro-Münze prägen. Die Wettkämpfe fanden in Grandvalira statt, dem heute größten Skigebiet in den Pyrenäen. Den ersten Skilift, der damals von einem Lkw-Motor angetrieben wurde, errichtete 1956 der Geschäftsmann und erfolgreiche Skisportler Francesc Viladomat. Heute befördern die Skilifte stündlich mehr als 100 .000 Skifahrer. Im Sommer ist Andorra ein Paradies für Wanderer. Wer lieber einkaufen möchte, der kommt in den Duty-Free-Geschäften auf seine Kosten. Sie gehören zu den Hauptattraktionen für die jährlich acht Millionen Touristen.
    Die offizielle Landessprache Andorras ist Katalanisch. Der Staat war noch nie in einen Krieg verwickelt, doch in seiner Geschichte gab es einige denkwürdige Momente. Im Jahr 1934 versuchte der russische Abenteurer Boris Skossyreff, die Macht zu übernehmen. Er erklärte sich zu Boris I., König von Andorra. Seine Herrschaft dauerte ganze zwei Wochen, bevor er verhaftet und nach Spanien deportiert wurde. Allerdings verzögerte sich seine Ausreise kurzzeitig, da er sich weigerte, die Zugfahrt in der dritten Klasse anzutreten.
    Besuchsgrund: Skilaufen, Wandern und Schnäppchenjagd.

    Foto: © iStockfoto.com / frantic00


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