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Blick auf eine Seenlandschaft in der Lausitz.
© istockfoto.com / LianeM
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Urlaubsziele

Sagenhaftes Lausitzer Seenland

Noch immer ist die Lausitz im Wandel. Auf dem Spreeradweg lässt sich die Region hervorragend erkunden.

Ausgabe: daheim Autor: David Krenz
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Die Entdeckungen und unermesslichen Weiten der Lausitz kann man wunderbar vom Fahrradsattel aus aufspüren, auf einer Reise gegen den Strom: Der knapp 400 Kilometer lange Spreeradweg führt durch weite Teile der Region. Wer von Berlin, wo die Spree in die Havel mündet, quellwärts in Richtung Südosten radelt, hat nach nur einer Tagesetappe die Pforte zur Lausitz erreicht. Im Spreewald in der nördlich gelegenen Niederlausitz verzweigt sich die Spree in hunderte Fließe und Gräben. Dichte Erlen- und Buchenwälder säumen die Ufer.

 

Ein Landschaftspark wie eine Galerie voller Monet-Bilder

Das Spreewälder Wassergewirr entlässt den Radler nach Cottbus, mit fast 100.000 Einwohnern die größte Stadt der Lausitz. Sie versammelt eine spannende Architektur-Melange aus barocken Giebelhäusern und der geschwungenen Glasfassade der neuen Universitätsbibliothek. Grüne Spreeauen geleiten zu einem exquisiten Gartengenuss, dem Branitzer Park. Wer entlang seiner Wasserläufe, duftenden Rosenpflanzungen und fein modellierten Hügel spaziert, fühlt sich wie in einer Galerie voller Monet-Gemälde. Baumarrangements sorgen für raffinierte Licht- und Schatteneffekte. Der Gartenkünstler war kein Geringerer als Hermann von Pückler-Muskau, Lebemann, Weltenbummler, Frauenverführer – und Begründer deutscher Landschaftsarchitektur. Inspiriert von einer Ägyptenreise ließ er in seinem Park zwei Pyramiden errichten und mit Wein bepflanzen. In einer von beiden ruhen die Gebeine des Fürsten und seiner Frau. Mit dem Branitzer Park war es Fürst Pückler gelungen, eine sandige, baumlose Einöde in ein Erholungsparadies zu verwandeln.

Einige Kilometer weiter südlich wird dieses Kunststück wiederholt, in geradezu gigantischen Maßstab. 25 Seen, teilweise durch Kanäle miteinander verbunden, verteilt über ein Gebiet größer als das Saarland – das sind die Dimensionen des Lausitzer Seenlands. Es liegt im Zentrum der Lausitz, wo 150 Jahre lang im großen Stil nach Braunkohle gegraben wurde. Der Tagebau hatte sich tief in die Erde gefressen, Wälder und Wiesen verschlungen, sich ganze Dörfer einverleibt. Nur karges Kraterland geblieben. Dann wurden die ausgebaggerten, tiefen Gruben geflutet – und mit dem Wasser kehrte das Leben zurück: Die wundersame Wandlung von trostlosen Tagebaulöchern in das Lausitzer Seenland, Europas größte künstlich geschaffene Wasserwelt. Ausflugsschiffe verkehren, ein Amphitheater bietet sommerleichte Komödien und Seeblick. „Es sind herrliche Landschaften entstanden, die Gegend ist ein Schmuckstück geworden. Dafür haben wir Menschen hier lange gekämpft“, sagt Michael Nadebohr. Jahre hat er selbst im Tagebau gearbeitet, heute leitet er das Besucherbergwerk F60 am Bergheider See. Dass bei allen touristischen Angeboten genügend Raum für die Natur bleibt, beweisen Wölfe, die seit Ende der 1990-Jahre wieder durch die Lausitz streifen.

Weiter führt der Weg nach Bautzen, entlang einer hohen Staumauer. Wie auf einem bockigen Pferd holpert der Radreisende dann über das grobe Pflaster der Stadt, unter mittelalterlichen Steinbögen hindurch und an den noblen Bürgerhäusern des Marktplatzes vorbei. Im Gewölbe des sorbischen Restaurants Wjelbik serviert Chefin Monika Lukasch in traditioneller Tracht sorbische Gerichte. „Manche Gäste haben noch nie zuvor von uns Sorben gehört“, sagt sie. Das westslawische Volk besiedelt spätestens seit dem 8. Jahrhundert die Lausitz und hat ihre Kultur und Gestalt wesentlich geprägt. Heute sprechen noch rund 40.000 Menschen die sorbische Sprache, auch die alten Bräuche leben fort.

 

Umgebindehäuser schmücken die Dörfer der Oberlausitz

Hoch auf den Türmen des Bautzener Stadtwalls breitet sich das Panorama der Oberlausitz aus: weite, saftig-grüne Wiesenwogen, darauf bescheidene Ansammlungen von Häuschen, als hätte sie jemand in kleinen Prisen über die Landschaft verstreut. Es lohnt sich, die Dörfer zu erkunden, in denen viele Umgebindehäuser erhalten geblieben sind. Diese typische Lausitzer Bauernbehausung besteht aus einer Blockstube, die von einem Tragwerk umbunden ist, auf dem das Dach oder ein Fachwerkobergeschoss ruhen. Im Örtchen Ebersbach haben Stefanie Kipke und ihre Familie vier Jahre lang geschuftet: Sie verputzten die 200 Jahre alten Wände ihres verfallenen Wohnstallhauses mit frischem Lehm, meißelten für den Boden Steinplatten zurecht, deckten das löchrige Dach. Nun steht er da, in neuer, alter Pracht: der Grünsteinhof. „Mich fasziniert das Flair der Häuser, man kann nachvollziehen, wie die früheren Bewohner gelebt haben“, sagt die stolze Eigentümerin. Der Grünsteinhof liegt mitten im Oberlausitzer Bergland, dem Quellgebiet der Spree. In zarten Rinnsalen tropft sie aus dem Stein. Hier endet der Spreeradweg.

Wer aber noch mehr Lausitz erleben möchte, quartiert sich einfach in den Ferienwohnungen des Grünsteinhofs und anderer Umgebindehäuser ein – oder macht es sich auf dem Wasser bequem: Im Lausitzer Seenland wurden schwimmende Appartments gebaut.

 


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