Wandern und genießen
© mojolo / Fotolia.com
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Urlaubsziele

Wandern und genießen

Eine Tour entlang der Saarschleife ist ein Erlebnis der besonderen Art.

Autor: Andreas Steidel

Das junge Paar tanzt auf der Mauer. Scheint wie berauscht von der Landschaftskulisse, vor der es fürs Hochzeitsfoto posiert. Direkt dahinter geht es 180 Meter in die Tiefe, in das Tal der Saar, die hier spektakulär um einen schmalen Bergrücken fließt. Wie ein langer Daumen liegt er in der Mitte, goldgelb bedeckt von einem dichten Laubwald, der sich herbstlich verfärbt.

Der Aussichtspunkt Cloef bei Mettlach-Orscholz ist der Höhepunkt der Saarschleife. Nur hier an der Klippe, wie Cloef übersetzt heißt, sieht man das Naturschauspiel in seiner ganzen Pracht. Die steilen Ufer, die enge Flussbiegung, den dichten Wald, die Felsen, die zwischen den Bäumen hervorlugen. Zehn Kilometer weit windet sich die Saar durchs Gelände, zieht die Menschen wie magnetisch an, die sich alle hier, an der Cloef, am Scheitelpunkt der Schleife fotografieren lassen wollen.

Es wird schnell ruhig, wenn man die Cloef verlässt. Wenn man dem Wanderweg mit der Kochmütze folgt und abseits der vielbesuchten Pfade durch den Wald geht. Tafeltour heißt die Route, die die komplette Saarschleife erschließt und viele gute Einkehrmöglichkeiten anbietet. Eine 16 Kilometer lange Tageswanderung mit einem üppig gedeckten Tisch für alle Landschaftsgenießer.  Der Weg beginnt in Mettlach, an der katholischen Wallfahrtskirche Sankt Lutwinus. Der Hall ihrer Glocke verklingt in einem dichten Buchenwald oberhalb des Ortes. Im Sommer kühlt das geschlossene Blätterdach die Luft, jetzt im Herbst blitzen einzelne Sonnenstrahlen durch den lichter werdenden Wald. Der weiche Boden dämpft die Schritte, trägt den Wanderer wie auf einem Polster über den Höhenrücken der Saarschleife. Man sieht ihn nur selten, den Fluss, dafür aber alte Buchen mit moosbedeckten Wurzeln, Kiefern, die ihre rissigen Stämme über das Blätterdach hinauswachsen lassen, immergrüne Douglasien, deren Nadeln beim Zerreiben nach Zitrone duften.

Dann duftet es nach Bratkartoffeln. Voilà, Burg Montclair. Man spricht Deutsch, doch in dieser grenznahen Gegend immer wieder auch Französisch. Mitten im Wald und auf der Saarschleifen-Halbinsel liegt die Ruine der alten Ritterburg Montclair. Hier könnte man verweilen und auf den Turm steigen. Aber es ist eigentlich zu früh für eine längere Rast. Lieber weiter, hinunter zur Saar, zum Sehnsuchtspunkt an der Schleife.

Wieder wechseln die Waldbilder. Hainbuchen säumen den Weg und einsame Buntsandsteinfelsen, die Nasen wie Waldgeister haben. Plötzlich ist da ein hupendes Etwas, das beinahe durch die Bäume fährt: der Ausflugsdampfer an der Saar. Ganz dicht führt der Wald ans Wasser, viel schneller als gedacht ist die Spitze der Landzunge erreicht.

Am Ufer kommen einem Radfahrer und Wanderer entgegen sowie eine kleine tuckernde Motorfähre, die die Menschen von der Halbinsel auf die andere Seite des Flusses bringt. Bimmelimmelim! Der Fährmann reagiert, sobald er mit der Glocke benachrichtigt wird. Keine fünf Minuten dauert die Fahrt zwischen den Ufern. Ruderboote kreuzen den Weg, zwei weiße Schwäne treiben wie Segelbötchen im Wasser. Die Wellesfähre ist die letzte verbliebene Fähre an der Saar. Eine Besucherattraktion, die von April bis Oktober zwischen den Ufern pendelt. Für zwei Euro ist man dabei. Ständig wechseln die Perspektiven auf der Saarschleifen-Tafeltour. Mal ist man oben, dann wieder unten, mal mitten im Wald, mal unter freiem Himmel. Feine Gaumenfreuden wechseln mit deftigen Biergartengenüssen. Auf einen großen Fluss folgen kleine Bäche und auf den spektakulären Aussichtspunkt Cloef verborgene Ecken, die man ganz für sich alleine hat.


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Wandern ist soooo langweilig! Tatsächlich? Das stimmt doch gar nicht! Man muss nur einige Regeln beachten...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Urlaubsziele

Im Regenwald Ecuadors leben die Stämme der Shuar und der Achuar 
im Einklang mit der Natur. Die Frage ist 
nur, wie lange noch.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Urlaubsziele

Eine Reise durch Norwegen bekräftigt die skandinavisch-indische Freundschaft zwischen Sheila und Bente.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Wer kennt das nicht: Man möchte sich im Urlaub endlich mal richtig entspannen – und stattdessen muss man sich über andere Reisende ärgern, die sich ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Urlaubsziele

Für die Nomaden in der Wüste Gobi wird das Leben immer schwieriger. Extreme Wetterbedingen zwingen die Menschen in die Städte.

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Praktische Tipps

Fernbus fahren – das bedeutet kostengünstiges Reisen für Menschen mit Zeit. Die Fahrt mit dem Fernbus kostet auf manchen Strecken weniger als 10 €.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH - Vordernbergstraße 6, 70191 Stuttgart