Silvester und Neujahr: verrückte und lustige Bräuche aus aller Welt
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Familie & Leben

Silvester und Neujahr: verrückte und lustige Bräuche aus aller Welt

Glücksbringer, Großputz und Mandarinen-Weitwurf - lesen Sie hier, was die Menschen alles fürs Glück im neuen Jahr tun...

Autor: Cornelia Krappel

Der mitternächtliche Himmel wird erhellt von buntem Feuerwerk, Raketen steigen, Böller knallen, die Menschen prosten sich zu und wünschen sich ein frohes neues Jahr. In vielen Ländern rund um den Globus ist dies so. Schließlich sollen in der Silvesternacht Dämonen, Pech und alle bösen Geister vertrieben werden, damit uns im neuen Jahr Glück und Freude begleiten – und um das zu erreichen, machen die Menschen eine Menge Lärm. Früher wurden für das lautstarke Spektakel vor allem Schellen und Peitschen verwendet. Heute werden stattdessen prächtige Feuerwerke gezündet. Sie dienen weniger der Abwehr böser Geister, sondern sollen vor allem der Freude über das neue Jahr Ausdruck verleihen, genau wie Knallerbsen, Tischfeuerwerke und Knallbonbons.

Vielerorts warden die letzten zehn Sekunden des alten Jahres laut im Chor als Countdown gezählt, bevor man dann um Mitternacht mit Sekt anstößt und sich ein frohes neues Jahr wünscht. Die in Deutschland verwendeten Glücksformel “Prosit Neujahr” wird aus dem lateinischen abgeleitet: “Prosit”, heißt in deutscher Übersetzung “es nütze” und bedeutet in der Wunschformel “Prosit Neujahr” heißt so viel wie “lasse das neue Jahr gut gelingen”. Der “Gute Rutsch” läßt sich aus dem Jiddischen ableiten. Dort bedeutet “Gut Rosch (“Anfang”)” einen guten Anfang des neuen Jahres und wohl auch das gute Gelingen geplanter Vorhaben.

Jedes Land hat zudem ganz eigene Bräuche zu Silvester, um noch mehr Glück für das kommende Jahr heraufzubeschwören. Und diese Bräuche werden nicht nur von notorisch abergläubischen Menschen gepflegt, im Gegenteil. Ganze Nationen frönen allerhand Kleinigekeiten, um dem Glück auf die Sprünge zu helfen…

 

Deutschand – Glücksbringer, Bleigießen und Abgerglaube

Viele Deutsche umgeben sich und ihre Gäste in der Silvesternacht mit zahlreichen Glücksbringern. Dazu zählen Glückschweinchen jeglicher Art und Größe, vierblättrige Kleeblätter und Schornsteinfeger-Figuren.

In der Silvesternacht soll außerdem nicht gearbeitet werden. Im Altertum waren die Menschen davon überzeugt, dass die Sonne an ein Rad gebunden ist, das sich um die Erde dreht. Die Götter lassen das Rad an Silvester ruhen. Darum sollen auch die Menschen alle Arbeit am letzten Tag des Jahres ruhen lassen. Ein Volksglaube in Deutschland besagt, deshalb auch man solle in der Silvesternacht keine Wäsche zu waschen oder zu trocknen. Der germanische Totengott Wotan sei nämlich in der Silvesternacht mit seinem Geisterheeer unterwegs und ware sehr verärgert, würde seine Schar dabei an voll behangenen Wäscheleinen hängen bleiben.

Beliebt ist auch, nach dem Glockenschlag um Mitternacht gefüllte Neujahrs-Berliner zu reichen. Die meisten sind mit Marmelade gefüllt, manche Gastgeber mischen aber auch eine mit Senf gefüllte Variante dazwischen. Wer den mit Senf gefüllten Berliner erwischt, dem soll ein besonders glückliches neues Jahr bevorstehen.

Eine sehr populäre Methode, um zum Jahreswechsel das persönliche Maß an Glück zu prognostizieren ist das Bleigießen. Dieser lustige Partyspaß gehört für viele mittlerweile zum Jahreswechsel dazu. Dabei werden auf einem Löffel Bleistücke über einer Kerzenflamme erhitzt bis sie flüssig sind. Das flüssige Blei wird dann in eiskaltes Wasser gekippt, wo es blitzschnell aushärtet. Die Form, die das Blei dabei annimmt, soll Aufschluss über das Schicksal der Person geben, die das Blei gegossen hat. Mit etwas Fantasie lassen sich darin Figuren erkennen, von denen jede ihre ganz bestimmte - und zuweilen vielfältig interpretierbare Bedeutung hat:

 

Herz: eine neue Liebe naht

Schuh: die Person heiratet noch in diesem Jahr

Glocke oder Ei: es wird Familien-Zuwachs geben

Frosch oder Schwein: ein Gewinn steht ins Haus

Hufeisen: gute Geschäfte nahen

Leiter: die Person erhält eine Beförderung

Tor oder Brücke. Ein Umzug steht an

Blumen: neue Freundschaften werden geknüpft

Schere: es stehen einschneidende Entscheidungen an

Hammer: die Person lernt etwas sehr wichtiges

 

Diese Liste ließe sich endlos fortsetzen. Trotz allem Spaß sollte aber nicht vergesen warden, dass Blei ein giftiger Stoff ist. Die Dämpfe sollten nicht eingeatmet werden. Verschlucktes Blei kann eine Bleivergiftung nach sich ziehen. Beim Aufräumen nach der Party das Blei nicht im Hausmüll entsorgen: es gehört in den Sondermüll!

Wer sich Geldsegen für das neue Jahr wünscht, der kann vorsorgen, indem er Linsensuppe ißt. Die Linsen stehen dabei für Geldmünzen. Ein alter Brauch empfiehlt, am 31.12. möglichst viele Linsen zu verspeisen, um den Finanzen auf die Sprünge zu helfen. Den gleichen Effekt erzielt angeblich, wer eine Schuppe des traditionellen Silvesterkarpfens aufhebt und das ganze Jahr hindurch in seinem Portemonnaie mit sich herumträgt.

Wer im neuen Jahr Glück haben möchte, sollte nach altem Glauben die Gänse nicht verärgern. Denn sonst fliegt das Glück mit der Gans davon.

 

Spanien: Weintrauben bringen Glück

Jedes Jahr um Mitternacht nehmen die Spanier traditionell 12 Weintrauben zu sich - eine Traube pro Glockenschlag. Wer das nicht schafft, dem droht Unglück für das neue Jahr. Schafft man es hingegen, darf man sich etwas wünschen.

 

Griechenland: Glücksbringer Brot und Glücksspiele

An Silvester wird in Griechenland das sogenannte Basiliusbrot gegessen. In dem Brot ist eine Münze versteckt. Wer sie erwischt, dem steht ein glückliches Jahr bevor.

Anstatt Feuerwerkskörper zu zünden, spielen die Griechen Glücksspiele, egal ob mit Würfel oder Karten. Vom Silvesterabend an bis spät in die Nacht sitzen sie zusammen und spielen, meist um Geld. Der Gewinner darf nicht nur das Geld behalten, sonder gewinnt auch noch eine Extra-Portion Glück.

 

Brasilien: Weiße Kleidung und Bohneneintopf

In Brasilien ist es an Silvester Brauch, weiße Kleidung zu tragen. Diese symbolisiert Reinheit und Frieden. Außerdem werden am Strand Kerzen aufgestellt. Weiße Kerzen stehen, wie auch in der Kleidung für den Frieden, gelbe Kerzen sollen einen Geldsegen bewirken und rote Kerzen stehen für Glück in der Liebe. Übrigens: Brasilianer, die an Silvester weiße Unterwäsche tragen, dürfen sich auf ein harmonisches, neues Jahr freuen. Wer sich für rote Unterwäsche entscheidet, dem wird angeblich die große Liebe begegnen. Zu Essen gibt es an Silvester den Feijoada. Dieser Bohneneintopf soll Wohlstand bringen.

 

Italien: Feuerwerk und rote Unterwäsche

Auch in Italien wird der Jahreswechsel mit einem Feuerwerk gefeiert. Zudem ist es bei den Herren wie bei den Damen Brauch, rote Unterwäsche zu tragen, die Glück für das neue Jahr bringen soll.

 

China: Großputz und Mandarinen-Werfen

Die chinesische Variante von Silvester wird erst am Tag des ersten Vollmonds nach dem 21. Januar gefeiert – und zwar mit einem Großreinemachen. Das Haus wird auf Vordermann gebracht und eine Stunde vor Mitternacht alle Fenster geöffnet, um das Glück reinzulassen.

Unverheirateten chinesischen Frauen soll es an diesem Tag Glück bringen, Mandarinen ins offene Meer zu werfen, um damit ihre zukünftigen Ehemänner anzulocken. Außerdem findet am Tag des chinesischen Jahreswechsels ein großes Festessen statt mit einer riesigen Auswahl an chinesischen Speisen.

 

 

 


 

RD Abbinder
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