Sie haben es in der Hand
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Familie & Leben

Sie haben es in der Hand
Entscheidungen zu treffen, ist nicht immer einfach. Mit den Tricks unserer Experten können Sie es gelassener angehen. 
Ausgabe: Februar 2016 Autor: Chantal Tranchemontagne

Wenn wir vor einer schwierigen Entscheidung stehen, geht es uns manchmal wie dem Reh im Scheinwerferlicht: Wir erstarren und wissen nicht, wohin. Soll ich mich selbstständig machen oder weiter angestellt bleiben? Wie investiere ich meine Ersparnisse gewinnbringend? Welche Behandlungsmethode macht mich wieder gesund?

Die Antwort liegt nicht immer auf der Hand, und die Angst vor den möglicherweise verheerenden Folgen einer falschen Entscheidung kann zu Stress führen oder dazu, dass man gar nicht entscheiden möchte.

Aber es geht auch anders. Mit einer veränderten Grundhaltung wird es einfacher, große und kleine Entscheidungen im Leben zu treffen. Wir verraten Ihnen einige Tricks von Experten. Probieren Sie's aus.

Schritt 1: Bleiben Sie gelassen

"Wenn wir uns nicht entscheiden können, dann steckt dahinter oft der Glaube, dass es eine bessere Option gibt, und wir nicht schlau genug sind, diese zu erkennen", erklärt die Philosophin Ruth Chang, die an der Rutgers Universität in New Jersey, USA, lehrt.

Das sei falsch, so Chang. Sie hat sich eingehend damit beschäftigt, warum es uns manchmal so schwerfällt, uns zu entscheiden. Deshalb hat sie neue Strategien erarbeitet. Oftmals gibt es bei komplexen Entscheidungen kein richtig oder falsch und auch keine Alternative, die besser ist als die anderen, meint sie. "Wenn wir vor einer schwierigen Entscheidung stehen, nützt es deshalb nichts, Haare raufend nach der perfekten Lösung zu suchen."

Wen das nicht überzeugt, dem empfehlen wir eine 2012 im Journal of Personality and Social Psychology veröffentlichte Studie. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Angst uns daran hindert, objektiv zu handeln, und wir uns aus diesem Grund Rat bei anderen suchen. Doch nicht immer wissen die es besser.

Schritt 2 : Wägen Sie alle Fakten ab

Sich mit einer Entscheidung nicht zu quälen, heißt nicht, gar nichts zu tun. Auch wenn intuitive Entscheidungen richtig sein können, sollten Sie zuerst die Fakten abwägen. Ruth Chang hält die Prüfung der Alternativen, das Beurteilen von Für und Wider beziehungsweise Was-wäre-wenn-Analysen für unumgänglich. Wenn Sie dann trotz reiflicher ˆberlegung zu keinem eindeutigen Entschluss gelangen, sollten Sie jedoch nicht auf der Stelle treten, sondern machen Sie mit dem nächsten Schritt weiter.

Schritt 3: Hören Sie in sich hinein

Die in Montreal lebende Lebensberaterin Erica Diamond glaubt, dass die schwierigen Fragen des Lebens oft nur von Kopf und Bauch gemeinsam entschieden werden können. "Wir gehen gern davon aus, dass wir rational entscheiden müssen", sagt sie. "Dabei sind die besten Entscheidungen jene, bei denen wir uns sowohl von unserem Verstand als auch von unseren Gefühlen leiten lassen. Gute Strategen entscheiden erst, nachdem sie genügend Informationen für beide Kategorien gesammelt haben."

Eine 2014 veröffentlichte Studie des US-amerikanischen Unternehmens Fortune Knowledge Group und der Netzwerkagentur Gyro belegte: 62 Prozent der befragten Führungskräfte treffen Entscheidungen aus dem Bauch heraus beziehungsweise anhand nicht messbarer Kriterien. 65 Prozent ließen sich sogar von subjektiven Faktoren beeinflussen.

"Keine wichtige Entscheidung kann allein aufgrund logischer ˆberlegungen herbeigeführt werden", erklärt der Geschäftsführer von Gyro, Christoph Becker, in einem Interview kurz nach Erscheinen der Studie. "Es muss sich dabei um einen vom Gefühl geleiteten Prozess handeln, auch wenn dieser durch rationale Argumente untermauert wird."

Schritt 4: Erfinden Sie sich selbst

Während Sie Fakten sammeln, Möglichkeiten abwägen und auf Ihren Bauch hören, denken Sie daran, dass schwierige Entscheidungen auch eine Chance sein können. "Indem wir uns zwischen zwei Optionen entscheiden, positionieren wir uns für die gewählte Alternative. Und das Erstaunliche daran ist, dass wir mit unserem Entschluss definieren, was uns wichtig ist und wer wir sind", argumentiert Chang. "Wir übernehmen damit Verantwortung für unser Leben."

Amazon-Gründer und Konzernchef Jeff Bezos würde dem zustimmen. In seiner Rede vor den Absolventen der Universität Princeton, USA, 2010 erklärte er, warum wir Entscheidungen als Gelegenheiten begreifen sollten. "Wenn Sie 80 sind und in einem Moment der Ruhe Ihr Leben Revue passieren lassen, sind die von Ihnen über die Jahre getroffenen Entscheidungen das Wichtigste und Spannendste. Unsere Entscheidungen prägen uns. Sie haben es selbst in der Hand, ob Ihre Geschichte spannend wird."


 

RD Abbinder
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