Was ist eigentlich die Fastnacht und wann findet sie statt?
© Patrizia Tilly / Fotolia.com
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Was ist eigentlich die Fastnacht und wann findet sie statt?

Fastnacht, Karneval, Fasching oder Fasnet - während der tollen Tage übernehmen die Karnevalisten in vielen Teilen des deutschsprachigen Raums die Herrschaft. Aber welches Wort ist denn nun die korrekte Bezeichnung für die große Feierei?

Autor: Cornelia Krappel

Der Begriff Fastnacht bezeichnet die letzten sechs Tage der Fastnachtszeit vor dem Aschermittwoch. Während des Zeitraums vom sogenannten Fetten Donnerstag bis zum Fastnachts-Dienstag feiern die maskierten und verkleideten Gecken bei zahlreichen Veranstaltungen und Umzügen ausgelassen. Vermutlich sind die Wurzeln der Fastnacht christlich: Zur Fastnacht oder dem Karneval wurde noch einmal üppig getafelt und gefeiert, bevor ab dem Aschermittwoch die lange Fastenzeit begann, die bis Ostern dauert. Teil des Fastnachts-Essens waren damals wohl auch die fetthaltigen Süßspeisen, die traditionell heute noch an Fastnacht genossen werden: Krapfen und Schmalzgebäck.

Die Herkunft des Begriffs Fastnacht ist nicht eindeutig geklärt. Meist wird er von den althochdeutschen Worten fasta (Fastenzeit) und naht (Nacht, Vorabend) abgeleitet, die wohl ursprünglich einfach nur den Tag vor Beginn der Fastenzeit bezeichneten.

Fastnacht heißt nicht überall Fastnacht

Regional sind die Bezeichnungen für die närrische Zeit sehr verschieden. Fastnacht wird als Bezeichnung in der Oberlausitz, Hessen, Franken, der Pfalz, in Baden, Schwaben, im Saarland, in Luxemburg, im westlichen Österreich und in der Schweiz verwendet. Je nach Region und dort gesprochenem Dialekt wird das Wortjedoch stark abgewandelt. Im Saarland wird daraus beispielsweise „Faasend“, in Luxemburg „Fuesend“, in Mainz „Fasenacht“ und in Baden und Schwaben „Fasnet“. In Hamburg dagegen wird aus der Fastnacht der Fastelabend, plattdeutsch Faslam.
In Bayern, Österreich und Franken spricht man von Fasching. Diese Bezeichnung wird von Vaschang, (Fastenschank) abgeleitet: Damit wurde der letzte Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit bezeichnet. Spricht man dagegen von Karneval, ist der Rheinische Karneval gemeint. Im Dialekt heißt der Rheinische Karneval auch Fastelovend.

 

Eine Besonderheit ist die Basler Fasnacht

Sie ist die größte Fasnacht in der Schweiz, und beginnt – anders als in Deutschland üblich - am Morgen nach Aschermittwoch um vier Uhr mit dem Morgenstraich. Dann gehen pünktlich um 4 Uhr morgens die Lichter aus, auch Schaufenster und Straßenbeleuchtung werden abgeschaltet. Stattdessen kommt die Beleuchtung von den bunten Laternen der verschiedenen Fasnachts-Gruppen (Cliquen). Traditionell sind die bunten Laternen mitkritischen Motiven zu - meist lokalen - Themen und mit Versen in Basler Mundart bemalt. Die Basler Fasnacht wird auch die drey scheenschte Dääg (die drei schönsten Tage) genannt und dauert exakt 72 Stunden. Am Donnerstagmorgen um vier Uhr ist mit dem Endstraich alles wieder vorbei. Während der drey scheenschte Dääg ziehen die Feiernden durch die Straßen und später auch durch die Kneipen der Basler Innenstadt, die 72 Stunden lang durchgehend geöffnet haben. Im Gegensatz zu den Jecken der Rheinischen Fastnacht sind die Zuschauer in Basel nicht verkleidet. Nur die aktiven Fasnachts-Teilnehmer tragen Vollverkleidung und Masken, die „Larven“ genannt werden. Sie laufen montags und am Mittwoch ab 13.30 Uhr als „Cliquen“ bei den Umzügen, die Cortèges genannt werden, durch die Straßen. Ein guter Platz, um die Umzüge anzusehen, ist die Freie Strasse in Basel. Es gibt zwei gegensätzlich laufende Routen, doch an jeder Route bekommt man alle Gruppen zu sehen. Nach dem Umzug feiern Teilnehmer und Zuschauer in den zahlreichen Kneipen der Altstadt.

 


Mehr zu diesem Thema

Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Viele Karnevalisten engagieren sich selbst und wollen mitfeiern. Aber was, wenn es mit dem Urlaub nicht geklappt hat? Diese Rechte haben Arbeitnehmer während des ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Die fünfte Jahreszeit steht vor der Tür. Deutschland taumelt in einen Ausnahmezustand. Wo man die besten Karnevals- und Fastnachtsumzüge findet, erfahren Sie ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Zum Karneval wird oft auch am Arbeitsplatz gefeiert. Was man dabei darf und was tabu ist, erfahren Sie hier. 

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Viele Tierbesitzer kostümieren ihre Tiere zum Karneval, oft passend zur Maskierung des Herrchens. Doch die Tiere leiden darunter und der Karnevals-Trubel ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Narren und Jecken machen sich bereit zum Feiern. Deutschland taumelt in einen Ausnahmezustand...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Berliner, Pfannkuchen, Puffel, Krapfen oder Kreppel - der Geschmack der süßen Hefeteilchen gehört einfach zur Fastnachtszeit dazu...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Redner, die zu Fastnacht in der "Bütt" sitzen, haben Rede- und Narrenfreiheit und dürfen so manches Thema ansprechen, an das sie sich sonst nicht herantrauen ...

...mehr
Aus der
aktuellen
Ausgabe

Familie & Leben

Andere Länder, andere Fastnachts-Bräuche: In Ivrea tobt zur Fastnacht die Orangen-Schlacht, in der Dominikanischen Republik feiern hinkende Teufel.

...mehr

 

RD Abbinder
RD Abbinder
RD Abbinder

Reader's Digest Deutschland: Verlag Das Beste GmbH - Vordernbergstraße 6, 70191 Stuttgart