Wie Menschen einander in Corona-Zeiten helfen
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Familie & Leben

Wie Menschen einander in Corona-Zeiten helfen

Wir erzählen Ihnen, wie ganz normale Menschen in Corona-Zeiten mit tollen Ideen und Einsatz die Welt ein bisschen lebenswerter machen.

Ausgabe: November 2020 Autor: Tim Hulse

Jaime Coronel ist weder Arzt noch Krankenpfleger. Er hat weder Leben gerettet noch einen Impfstoff entwickelt. Coronel ist ein ganz normales Mitglied der Gesellschaft. Doch wie viele andere weltweit hat er dazu beigetragen, das Leben anderer während der Covid-19-Pandemie zu verbessern. Gute Taten können unserem Leben in Krisenzeiten einen Sinn geben und dafür sorgen, dass wir uns anderen Menschen stärker verbunden fühlen – vor allem dann, wenn zwischenmenschliche Kontakte stark eingeschränkt sind. Coronels Geschichte steht beispielhaft für viele andere. Sie beginnt mit einer zufälligen Entdeckung und endet mit dem Wunsch, das Leben von Kindern positiv zu verändern. Der Architekt, der in der spanischen Stadt Puertollano eine Umzugsfirma leitet, räumte in den Anfangstagen des Lockdowns zu Hause den Abstellraum auf. Dabei stieß er auf ein Kostüm von Olaf, dem lustigen Schneemann aus dem Walt-Disney-Trickfilm "Die Eiskönigin". „Ich dachte nur: ‚Machen wir etwas Albernes‘“, erklärt er lachend, als er an den Tag zurückdenkt. „Also habe ich das Kostüm angezogen. Als meine vierjährige Tochter Mara mich sah, wollte sie ihr Kostüm von Elsa, der Prinzessin aus dem Film, anziehen. Wir haben den ganzen Tag verkleidet verbracht.“

Zu dieser Zeit gingen in Spanien jeden Abend um 20 Uhr Leute an ihre Fenster und auf ihre Balkone, um zu klatschen und so dem medizinischen Personal zu danken, das sein Leben bei der Bekämpfung der Pandemie aufs Spiel setzte. „Ich dachte, das sei ein guter Zeitpunkt, um – verkleidet als Olaf – den Müll runterzubringen“, erzählt Coronel. Auf der Straße bekam er lautstarken Applaus von seinen Nachbarn. Eine Tradition wurde geboren.

Von da an trug Coronel jeden Abend kurz vor 20 Uhr in einem anderen Kostüm den Müll runter. Mal war er eine ägyptische Mumie, mal ein Dinosaurier oder Freddy Krueger aus dem Film "A Nightmare on Elm Street". Er besaß zahlreiche Kostüme von Karnevals- und Halloween-Partys, und als er diese alle getragen hatte, bestellte er online weitere. Zusätzlich spendete ihm eine Firma aus Aragon Kostüme. Und mithilfe von Mara und ihrer Großmutter, einer ehemaligen Schneiderin, fertigte er sich sogar selbst einige an.

Jedes Mal erhielt er begeisterten Applaus von seinen Nachbarn und postete anschließend ein Video davon in sozialen Netzwerken. Ganze 29 Tage hielt Coronel seine Aktion aufrecht, und als die Lockdown-Verfügungen gelockert wurden, sodass Kinder wieder ins Freie durften, begleitete Mara ihn auf seinem täglichen Gang. Die beiden verkleideten sich und zogen weitere neunmal los. Am letzten Tag ihrer gemeinsamen Spaziergänge wurde Coronel von Rettungssanitätern überrascht, die ihm dafür dankten, dass er die Menschen aufgemuntert hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Jaime Coronel aufgrund seiner Instagram-Beiträge globale Bekanntheit erlangt und Menschen auf der ganzen Welt zum Lächeln gebracht. „In sozialen Netzwerken dankten mir die Leute dafür, dass ich anderen ein gutes Gefühl gegeben hatte“, erzählt Coronel stolz. „Teil meiner Motivation waren meine Tochter und Kinder im Allgemeinen“, erklärt er. „Sie sind verletzbar und verstehen nicht, was gerade passiert. Meine Tochter wollte nicht mehr spazieren gehen, aber sie freute sich, verkleidet mit ihrem Papa den Müll runterzubringen.“ Coronel hofft, dass seine Aktion anderen Kindern dabei geholfen hat, das Haus wieder angstfrei zu verlassen.

 

 

♥♥♥♥♥ Die Kommunikation aufrecht erhalten

In Frankreich ließen sich zwei Komiker von den Stadtausrufern aus alter Zeit inspirieren, um den unter Ausgangssperre stehenden Bewohnern ihres Hauses in Lyon etwas menschliche Wärme zu schenken. Jeden Abend versammelten sich die Bewohner auf ihren Balkonen, um Valéria Cardullo und Alex Repain zuzuhören. Sie verkündeten Hilfsanfragen oder Geburtstagsgrüße und stellten sogar ein paar Rätselfragen. „Als wir anfingen, dachten wir nicht, dass es eine derart große Wirkung haben würde, aber nach einer Weile entwickelte sich ein echtes Solidaritätsgefühl“, erinnert sich Repain.

Andernorts erwies sich Musik als effektives Mittel, um die Stimmung zu heben. In der ungarischen Hauptstadt Budapest fuhren Mitglieder des Sinfonieorchesters MAV in zwei mit Lautsprechern ausgestatteten Autos durch die Stadt und ins Umland. Sie spielten Aufnahmen früherer Konzerte ab, um die Menschen während der Ausgangssperre zu unterhalten.

In Wien spielte die US-amerikanische Musikerin Olivia Haynes am Fenster ihrer Wohnung Ukulele, um etwas Freude in das Leben ihrer Nachbarn zu bringen. „Ich bringe gern Menschen zusammen, vor allem solche, die sich unter normalen Umständen nicht begegnen würden“, sagt sie. Nach ein paar Tagen kamen Nachbarn in den Hof, nur um sie spielen zu hören. Anschließend blieben sie und unterhielten sich miteinander.

Doch nicht nur Menschen litten unter der Isolation, die der Lockdown mit sich gebracht hatte. In Irland bemerkte der Fischer Jimmy Flannery, dass der berühmte Delfin Fungie, der seit 1983 vor der Küste der Grafschaft Kerry lebt, die gewohnte Aufmerksamkeit der Touristen vermisste. Er sah, wie Fungie zu den Fischerbooten schwamm, die den Hafen verließen, vermutlich weil er sich Gesellschaft oder eine Belohnung erhoffte. „Doch sie hatten keine Zeit für ihn“, erklärt Flannery, der Fungie daraufhin ein paarmal am Tag besuchte, um ihm Gesellschaft zu leisten. „Ich hoffe, er wusste es zu schätzen“, meint Flannery lachend. „Und ich hoffe, er hat mich nicht vergessen, jetzt da seine Bewunderer wieder da sind.“

 

 

♥♥♥♥♥ Essen auf Flügeln

Neben den Auswirkungen der Isolation auf die Psyche brachte der Lockdown noch andere Herausforderungen mit sich. Für einige stellte auch die ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln ein ernsthaftes Problem dar – und das wohl nirgendwo mehr als im entlegenen australischen Outback. Gary Frost, Besitzer eines Rasthauses im Northern Territory Australiens, fand die wohl radikalste Lösung für die Herausforderung, Lebensmittel an jene zu liefern, die sie brauchten. Da er einen Pilotenschein besaß, beschloss er, Mahlzeiten zu den Menschen zu fliegen, die auf abgelegenen Rinderfarmen festsaßen. (...)

 

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der November 2020-Ausgabe des Reader’s Digest Magazin. 

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