Jemand hat einen Hilferuf in den Sand der einsamen Insel geschrieben.
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Familie & Leben

Zufälle, die Geschichte schrieben

Für Veränderungen braucht es großartige Ideen und gute Pläne. Doch bei diesen Ereignissen spielte etwas anderes die größte Rolle.

Ausgabe: Oktober 2020 Autor: Jacopo della Quercia

Ein geschmolzener Schokoriegel führte zur Erfindung der Mikrowelle

Percy Spencer war so fasziniert vom Untergang der Titanic, dass er Wissen­schaftler wurde. Er ging zur U. S. Navy, absolvierte dort eine Ausbildung zum Funkelektroniker und wurde schließlich erfolgreicher ziviler Experte für Radartechnik während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Krieg war Spencer für ein Rüstungsunternehmen tätig. Als er eines Tages an den Radarsystemen vorbeiging, steckte er geistesabwesend die Hand in seine Hemdtasche – und fand eine klebrige Masse vor: Der Schokoriegel in der Tasche war geschmolzen. Er wusste genug über Radargeräte, um die elektromagnetischen Wellen als Ur­sache zu vermuten. Daraufhin legte er Maiskörner vor das Gerät – die prompt aufpoppten. Als Nächstes probierte er es mit einem rohen Ei – es explodierte und spritzte einem Kollegen ins Gesicht. Spencer entwickelte seine Ent­deckung weiter und vermarktete sie unter dem Namen „Radarange“ an Fluglinien und Restaurants. Heute ist das Gerät als Mikrowelle bekannt und viel kleiner als zu Anfangszeiten: Damals waren Mikrowellen 1,80 Meter hoch, 340 Kilogramm schwer und kosteten 3000 US-Dollar. Das entspricht heute fast 35 .000 Dollar.

 

 

Eine Kokosnuss rettete dem späteren US-Präsidenten John F. Kennedy das Leben

Für den damals 26-jährigen Navy-Leutnant John F. Kennedy begann der 2. August 1943 im Südpazifik. Als Kennedy und seine Mannschaft mit ihrem Patrouillenboot vor den Salomon­inseln kreuzten, tauchte ein japanischer Zerstörer auf und beschoss das Boot. Auf Wrackteilen treibend, wurde Kennedy und zehn weiteren Besatzungsmitgliedern klar, dass ihre einzige Chance darin bestand, zu einer nahe gelegenen Insel zu schwimmen. Kennedy, der früher dem Schwimmteam der Harvard University angehört hatte, zog einen verwundeten Kameraden stundenlang bis zur unbewohnten Insel Kasolo, wo die Schiffbrüchigen sich von Kokosnüssen ernährten.
Nach mehreren Tagen gelang es den Männern, zwei Fischer auf sich aufmerksam zu machen, die in einem Kanu vorbeifuhren. Sie gaben den beiden eine Nachricht an die alliierten Truppen mit. Die Meldung war in eine Kokosnussschale geritzt: Insel Nauro, Fregattenkapitän, Einheimischer kennt Position, er kann lotsen. Elf Überlebende, brauchen kleines Boot. Kennedy. Die Fischer überbrachten die Kokosnuss, und die Männer wurden bald gerettet. Jahre später überraschte der Richter Ernest W. Gibson jr. den neu gewählten US-Präsidenten Kennedy mit einem Geschenk. Es war die Kokosnuss, in die er damals seine Nachricht geritzt hatte. Kennedy verwendete sie während seiner gesamten Präsidentschaft als Briefbeschwerer. Heute ist sie als Exponat in der John-F.-Kennedy-Bibliothek in Boston zu sehen.

 

 

Wie Stephen Kings erster Roman aus dem Abfalleimer gerettet wurde

Stephen King ist ein Bestsellerautor, dessen Horrorgeschichten von Millionen Menschen weltweit gelesen werden. Aber beinahe hätte er keine Schriftstellerkarriere gemacht, denn er selbst war sein größter Kritiker. Kings erster Roman handelte von einem gemobbten Mädchen, das herausfindet, dass es über übersinnliche Fähigkeiten verfügt. Diese setzt es ein, um sich an seinen Peinigern zu rächen. Wie er in seinen Memoiren berichtet, missfiel Stephen King die Geschichte aber so sehr, dass er sie wegwarf.
Ein paar Stunden später fand seine Frau die zerknüllten Seiten im Papierkorb. Sie fing an zu lesen und war sofort fasziniert. „Sie wollte, dass ich weitermache“, erklärte King später. „Sie wollte wissen, wie die Geschichte ausging.“ Also schrieb er weiter, und "Carrie" erschien 1973. Allein im ersten Jahr wurden mehr als eine Million Exemplare verkauft, das Buch wurde später auch verfilmt.

 

 

Wie ein unordentliches Labor zur Entdeckung eines Wundermittels führte

Im Sommer 1928 hatte es der schottische Arzt Dr. Alexander Fleming so eilig, in den Urlaub zu starten, dass er einen Stapel schmutziger Petrischalen im Waschbecken seines Labors stehen ließ. Die Schalen waren mit Staphylokokken beschmiert – Bakterien, die Hautabszesse, Halsentzündungen und Lebensmittelvergiftungen verursachen. Als Dr. Fleming zurückkehrte, machte er eine interessante Entdeckung: Eine der Petrischalen war überall mit Bakterien besiedelt, außer an jenen Stellen, an denen Schimmel wuchs. Der Bereich ringsherum war frei, wie von einer Barriere geschützt.
Dr. Fleming stellte fest, dass der Schimmel, eine seltene Form von Penicillium notatum, einen „Schimmelsaft“ abgesondert hatte, der mehrere gefähr­liche Bakterienstämme abgetötet hatte. Er veröffentlichte seine Entdeckung – und praktisch niemand nahm davon Notiz.
Erst Jahre später stieß Howard Walter Florey, ein australischer Pathologe, zufällig auf Flemings Aufsatz. Zusammen mit dem Biochemiker Ernst Boris Chain begann Dr. Florey, die therapeutische Wirkung des Schimmelsafts zu untersuchen. Bis 1941 hatten sie genug Penizillin gesammelt, um es am ersten Probanden einzusetzen, der sich eine unheilbare bakterielle Infektion zugezogen hatte. Die Resultate waren verblüffend: Das Fieber des Patienten sank, es ging ihm besser. Leider starb der Mann, als die Penizillin-Vorräte auf­gebraucht waren. Dr. Fleming erhielt gemeinsam mit Dr. Florey und Chain den Nobelpreis für Medizin. „Ich hatte bestimmt nicht die Absicht, die gesamte Medizin zu revolutionieren, indem ich das erste Antibiotikum der Welt entdeckte“, erklärte er später. „Aber es sieht so aus, als hätte ich genau das getan.“

 


 

 

 


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