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Ein Mann zeichent eine bunte Glühbirne auf einen weißen Zeichenblock.
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Haus & Garten

Verrückte Erfindungen, die die Welt (vielleicht) braucht

Kopfkissen, die das Schnarchen stoppen, Roboter, die mit Haustieren spielen und weitere Erfindungen, die unseren Alltag künftig bereichern könnten.

Ausgabe: März 2021 Autor: Andy Simmons

Die Nacht durchschlafen konnte Donna jahrelang nicht mehr: ihr Ehemann schnarchte wie ein Güterzug. Die üblichen Mittel hatte Donna längst ausprobiert: unwirksam. Doch dann hörte sie vom Motion Pillow. Das Kissen wird von dem südkoreanischen Unternehmen Ten Minds hergestellt und verfügt über vier drucksensible Luftpolster, die an ein Mikrofon angeschlossen sind, das auf dem Nachttisch steht. Sobald Donnas Ehemann anfängt zu schnarchen, registriert dies das Mikrofon. Das Kissen bläst sich automatisch auf, wodurch sanft der Kopf des Schnarchenden umpositioniert wird, bis er aufhört, seine Umgebung zu foltern. Donna hat es eigentlich nicht so mit kostspieligen technischen Spielereien, aber als sie hörte, dass das Motion Pillow vom amerikanischen Industrieverband CTA mit dem Innovationspreis 2020 ausgezeichnet wurde, war sie bereit, die 320 US-Dollar (etwa 260 Euro) zu investieren. Und es funktioniert tatsächlich! Sogar so gut, dass Donna, wenn sie einmal sauer auf ihren Mann ist, Schnarchgeräusche macht, damit das Kissen seinen Kopf auf Achterbahnfahrt schickt.
Heute ist es nicht mehr das Schnarchen ihres Ehemanns, das Donna weckt, sondern eine fremde Frauenstimme: „Guten Morgen! Denk daran: All unsere Träume können wahr werden, wenn wir den Mut haben, sie zu verfolgen!“ Bei dem munteren Morgenmenschen handelt es sich um Donnas neuen Wecker „Ruggie“(69 Dollar, rund 57 Euro). Es ist der einzige Wecker, der sie aus dem Bett kriegt. Zunächst versucht er es mit Musik, dann mit einer munteren Ansprache. Wenn alles nicht hilft, gibt es noch ein Alarmsignal, das bis zu 120 Dezibel laut sein kann – etwa so, als stehe jemand mit einem Presslufthammer neben dem Bett. Schlummertaste? Fehlanzeige! Damit der Wecker Ruhe gibt, muss sie sich aus dem Bett schwingen und bis zu 30 Sekunden lang auf der zugehörigen Schaumstoffmatte stehen. Dann ist sie sowieso wach und kann auch gleich aufbleiben.

Um ehrlich zu sein: Donna gibt es gar nicht. Wir haben sie erfunden. Die Geräte hingegen, mit denen sie es in dieser Geschichte zu tun hat, schon. Einige befinden sich noch in der Entwicklungsphase, aber die meisten sind bereits zu kaufen. Amüsant, was für verrückte Dinge sich Entwickler einfallen lassen!

 

Das Speck-Geruchspflaster

Damit wären wir wieder bei der hypothetischen Donna. Wie es der Zufall will, ist ihr Cholesterinspiegel hoch – doch sie liebt Frühstücksspeck. Zum Glück arbeitet ein Professor an der University of Oxford in Großbritannien an einem Baconpflaster. Wenn man daran reibt, setzt es den Duft von frisch gebratenem Speck frei. „Studien haben gezeigt, dass der Geruch Essensgelüste lindern kann“, sagt der Erfinder Charles Spence. Ehrlich? Einige Leute haben da Zweifel.

 

Ein Roboter, der Klopapier vorbeibringt

Als Nächstes treffen wir Donna im Badezimmer an. „Ängste beim Toilettengang sind sehr real“, sagte ein Pressesprecher des Toilettenpapierherstellers Charmin dem Fernsehsender CNN. Das findet Donna auch, besonders, wenn das Klopapier alle ist. Sie ruft nach ihrem Mann, aber der schläft natürlich noch. Also startet sie eine App auf ihrem Handy – und schon erscheint am Horizont der Rollbot, ein sich selbst ausbalancierender Roboter mit Teddygesicht und einer Rolle Toilettenpapier an Bord. Leider hat Charmin bislang erst einen einzigen Rollbot hergestellt.

 

Die smarten Socken

Nachdem der Roboter sie aus ihrer Notlage befreit hat, macht sich Donna bereit für den Tag. Sie öffnet eine Schublade ihres Kleiderschranks und zieht ein Paar Sensoria Smart Socks (199 Dollar/165 Euro) heraus. Diese sind mit einem Mikrochip ausgerüstet und übertragen per Mobilfunk Messwerte wie Schrittzahl oder Puls an eine App auf Donnas Smartphone.

 

Roboter, die mit Haustieren spielen

Donnas Haustiere sind etwas moppelig und könnten mehr Bewegung gebrauchen. Für ihren Hund hat sie deshalb den iFetch (115 Dollar/103 Euro) besorgt. Die kleine blau-weiße Maschine kann einen Tennisball bis zu zehn Meter weit schießen. Der Hund holt den Ball, lässt ihn in eine Öffnung an der Oberseite des Geräts fallen und schon „wirft“ der iFetch den Ball wieder.
Ihrem Kätzchen hat Donna die ProFlight Panthera Cat Toy Drone gekauft. Diese (45 Dollar/37 Euro) kreist durchs Zimmer und lässt ein Spielzeug herabbaumeln, dem die Katze nachjagen soll. Mithilfe der eingebauten Kamera kann Donna die Mieze von ihrem Handy aus beobachten. Hersteller certapet.com verspricht, dass „die Sicherheitseinrichtungen inklusive eines Systems zur Kollisionsvermeidung und einer automatischen Höhenregulierung dazu beitragen, dass Sie die Drohne nicht in Ihre Katze oder Sie umgebende Dinge steuern“.

 

Die intelligente Kontaktlinse

Donna öffnet die Haustür, es ist ein herrlicher Tag. Hätte sie die – noch nicht erhältliche – Mojo Lens bereits, würde ihr die intelligente Kontaktlinse verraten, dass die Außentemperatur 22 Grad beträgt. Aktiviert wird die Augmented-Reality-Linse durch Augenbewegungen. Mithilfe von Mikroelektronik werden Bilder auf ein klitzekleines Display projiziert. Der Träger einer Mojo Lens kann sich Informationen anzeigen lassen, Texte lesen und sogar Videos ansehen. Man kann sich dabei also, anders als beim Benutzen eines Smartphones, auch auf belebten Straßen relativ gefahrlos bewegen.

 

Der schlaue Simultanübersetzer

Donna bemerkt einen Touristen, der auf sie zukommt. Der Mann hat zwei Ambassador-Simultandolmetscher dabei. Er hält sich ein Gerät ans Ohr und reicht Donna das andere. Auf Englisch fragt er sie, wie er am besten zum Bahnhof kommt, und Donna hört die Frage auf Deutsch. Sie antwortet auf Deutsch, der Mann nickt. Er hat alles verstanden, weil er ihre Antwort auf Englisch gehört hat. Die beiden hätten genauso gut Japanisch, Niederländisch oder Spanisch sprechen können – der Ambassador übersetzt 20 Sprachen und 42 Dialekte.

 

Eine Brille, die Blinde durch elektrische Signale sehen lässt

Donna macht sich auf den Weg zu ihrem Lieblingsrestaurant, wo sie mit einer Freundin verabredet ist. Die Frau trägt eine modische Sonnenbrille. „Elaine!“, ruft Donna. Die Gerufene kommt ohne Hilfe langsam herüber und setzt sich hin. Erstaunlich, denn Elaine ist blind. Aber seit sie ein Orion Visual Cortical Prosthesis System erhalten hat, kann sie ein viel aktiveres Leben führen. Die Sonnenbrille enthält eine Kamera und einen Miniprozessor (VPU). Elaine wurde in die Sehrinde ein winziger Mikrochip mit 60 Elektroden implantiert. Die VPU wandelt die Aufnahmen der Kamera in elektrische Signale um, die per Mobilfunk an die Elektrode in Elaines Gehirn übertragen werden. Das Gehirn „sieht“ dann, was Elaine gerade betrachtet. „Damit das Gerät funktioniert, sind noch nicht einmal Augen erforderlich“, sagt der Neurochirurg Nader Pouratian vom Ronald Reagan UCLA Medical Center in Los Angeles, der dieses Gerät bei Patienten implantiert hat. Elaine hat sich für den Schritt entschieden, nachdem sie von einem Teilnehmer einer klinischen Studie gelesen hatte, der dank des Eingriffs zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder die Kerzen auf seinem Geburtstagskuchen sehen konnte.

 

Der praktische, faltbare Fernsehbildschirm

Nach dem Essen geht Donna nach Hause. Ihr Mann ist längst wach, sitzt nun auf dem Sofa und will fernsehen. Aber wo ist der Bildschirm? Donna drückt einen Knopf auf einer Fernbedienung, und aus einer Box entfaltet sich ein 65-Zoll-Bildschirm. Es handelte sich um eine frühe Version des noch nicht erhältlichen LG Signature OLED TV R9.

 

Das Armband gegen fremde Lauscher

Donnas Ehemann legt den Arm um sie. Obwohl er oft schnarcht, liebt sie ihn und möchte ihm vermitteln, was sie empfindet. Aber weil ihre virtuellen Assistenten wie Amazon Echo, Apples Siri und Google Home zuhören könnten, legt sie ein Bracelet of Silence an. Dieses „Armband der Stille“ wurde von dem Professoren-Ehepaar Ben Zhao und Heather Zheng erdacht, Computerwissenschaftler an der University of Chicago. Die New York Times bezeichnet es als „digitale Rüstung, die den Echo oder alle anderen Mikrofone in der Umgebung daran hindert, das Gespräch des Trägers zu belauschen“. Die Plastikmanschette ist noch nicht im Handel. Sie verfügt über 24 kleine Lautsprecher, die für den Menschen unhörbare Ultraschallsignale aussenden und auf diese Weise allzu neugierige Mikrofone blockieren.

Nachdem sie ihrem Ehemann Nettigkeiten ins Ohr gesäuselt hat, ruft Donna einen Online-Videodienst auf und wählt einen Klassiker der Filmgeschichte aus: Casablanca. Manchmal ist Altbewährtes doch das Beste.

 


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