Zwei Rotkehlchen auf einem Ast.
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Vögel füttern im Frühjahr und Sommer?

Das sollte man unbedingt, meint der Ornithologe Peter Berthold.

Ausgabe: April 2020 Autor: Susanne Rytina

Es fällt Vögeln immer schwerer, Futter zu finden, weil ihnen der Lebensraum durch die industrielle Landwirtschaft genommen wird“, erklärt Professor Peter Berthold. Bis zu seiner Pensionierung war er Direktor des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell am Bodensee. Auch wenn manche Vogelschützer, wie beispielsweise jene des Naturschutzbunds Deutschland, einer Ganzjahresfütterung skeptisch gegenüberstehen, plädiert Berthold genau dafür: „Besonders in der stressigen Brutzeit im Frühling, aber auch im Sommer, ist es sinnvoll zuzufüttern, da viele Vögel nicht mehr genug Nahrung finden, um Eier legen zu können oder ihre Jungen durchzubringen.“

 

Der geeignete Futterplatz

Als Faustregel gilt: Der Futterplatz sollte so naturnah wie möglich sein. Verfügen Sie über einen Garten, wählen Sie also am besten einen Standort abseits der Straße nahe an Büschen und Sträuchern. Aber selbst als Stadtbewohner ohne eigene Grünfläche müssen Sie nicht aufs Vogelfüttern verzichten. Ein Futterhaus können Sie auch auf Ihrem Balkon oder sogar vor einem Fenster anbringen. In diesem Fall sollten Sie allerdings die Scheiben mit Markierungen versehen, damit die Tiere im Anflug nicht mit ihnen kollidieren. „Am liebsten halten sich Vögel in traditionellen Futterhäusern auf, in denen sie Streufutter aufpicken und eine Aussicht auf das umliegende Gebiet haben“, sagt Berthold. Die Grundfläche sollte mindestens 25 Zentimeter auf 25 Zentimeter betragen, damit sich die Tiere nicht ins Gehege kommen. Achten Sie auf ein ausreichend überstehendes Dach, damit das Futterbrett trocken bleibt.
Bringen Sie das Haus wenigstens 1,5 Meter über dem Boden an, um zu verhindern, dass Katzen hinaufspringen. Steht es auf einem Pfahl, sollte dieser aus glattem Metall oder Kunststoff sein, damit auch Mäuse und Ratten nicht daran hochklettern können. Reinigen Sie das Vogelhaus gelegentlich mit heißem Wasser und einer Drahtbürste. Weniger den Tieren zuliebe als Ihrer Nase. „Die Reinigung ist sinnvoll, damit es nicht stinkt. Den Vögeln selbst können Schmutz und Kot kaum etwas anhaben, da sie über ein besonders starkes Immunsystem verfügen“, erklärt Berthold. Futterautomaten, in denen Samenkörner nur dann nachrutschen, wenn Vögel sich bedienen, haben den Vorteil, dass kaum Futter auf dem Boden landet. Futterspender wie Spiralringe oder Drahtkörbe sind ebenfalls gute Alternativen zum Vogelhaus. Darin platzieren Sie fetthaltige Nahrung, beispielsweise Fettknödel. Die Spender verhindern, dass größere Vögel wie Elstern oder Eichelhäher das Futter wegschleppen und kleinere Artgenossen leer ausgehen. Entfernen Sie die Plastiknetze, in denen die Knödel oft verkauft werden. So vermeiden Sie, dass diese später in der Natur landen und Tiere sich darin verfangen. „Kaufen Sie die Knödel am besten gleich ohne Plastiknetze in Eimern oder Tüten“, rät Berthold.

 

Das richtige Futter

Streufutter sollte vor allem aus Sonnenblumenkernen, Hanf, Mohn und anderen Pflanzensamen bestehen. Sie bekommen es im Fachhandel, aber auch im Baumarkt sowie über Online-Portale. Höheren Nährwert haben sogenanntes Fettfutter mit Hafer- und Weizenflocken sowie Meisenknödel. „Für die Vögel ist gerade im Sommer Fett der ideale Treibstoff fürs kräftezehrende Fliegen“, erklärt Berthold. Als zusätzliche Leckerbissen können Sie Erdnüsse anbieten, lose oder als Erdnussfettkuchen. Auf keinen Fall sollten Sie Speisereste und salzhaltige Lebensmittel wie Brot, Wurst, Schinken, Speck und Käse füttern, weil Vögel diese nicht vertragen. Auch reines Fett wie Margarine oder Butter ist tabu. „Wer Meisenknödel selber herstellen möchte, benötigt Rindertalg. Den bekommen Sie – wenn überhaupt – beim Metzger“, erklärt der Experte.

 

Locken Sie Ihre Lieblinge an

Über die Auswahl des Futters haben Sie einen gewissen Einfluss darauf, wer Sie besuchen kommt. Kohlmeisen, Grünfinke, Spatzen, Dompfaffen, Zeisige, Stieglitze, Blaumeisen und Buchfinken lieben Sonnenblumenkerne, Haselnüsse, Hanfsamen und Walnüsse. Amseln, Drosseln, Zaunkönige, Stare und Heckenbraunellen bevorzugen weiches Futter wie Obststücke, Rosinen, Haferflocken, Kleie und getrocknete Wildbeeren. Meisen und Haussperlinge sind weniger wählerisch. Sie lieben zwar Weichfutter, stellen sich aber auch auf Körner ein. „Besonders gern werden Vögel zu Ihnen kommen, wenn Ihr Garten, Dachgarten oder Balkon eine Vielzahl an Sträuchern, Kräutern, Stauden, Blumen und Pflanzen bietet, die auch Insekten anlocken“, sagt Berthold. Lassen Sie daher Gräser blühen, bis sie Samen bilden. „Je üppiger die Grünfläche, desto mehr kann sie zur vogelfreundlichen Oase werden.“

 


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